Stadthund

Heute habe ich endlich das geschafft, was ich mir schon so lange vorgenommen hatte: Ich habe Nele eingepackt und wir sind zusammen in die Stadt gegangen - Innenstadt, wenn schon, denn schon.

Eine Erfahrung für uns beide, die eigentlich ganz gut gelaufen ist.

Der Hund und ich in der Stadt. Da hatte ich zum Teil ganz schöne Vorstellungen, zum Teil aber auch Horrorszenarien vor Augen. Mein Wunschtraum ist die zuckersüße Nele, die überall gut ankommt und wir als Dreamteam. Das Horrorszenario: ich die Lachnummer, die von einem störrisch, irritierten Briard durch die Stadt gezerrt wird.

Wir haben in der Tiefgarage geparkt. Kaum aus dem Auto, wollte Nele weiter. Verstehe ich. Der Gestank in der Tiefgarage ist ja nun wirklich nicht das, was Hund unbedingt braucht. Ich bin nicht Aufzug gefahren, wir haben uns für die Treppen entschieden, was trotz Enge und Gegenverkehr gut geklappt hat - Nele wollte einfach nur weiter.

Einfach nur weiter wollte sie dann auch auf der Straße. Nur die diversen Häuserecken hatten es ihr offensichtlich angetan, da hätte sie noch Stunden schnuppern können. Es war durchaus nicht stressfrei, den Hund einigermaßen relaxed weiter zu bringen, aber ich hatte es auch nicht anders erwartet. Die ersten Meter waren eher, naja, sagen wir “zum Umdrehen”. Weniger die Leute, das war offenbar egal, sondern mehr dieses “einfach weiter, und zwar schnell”. Wir hatten also einiges zu tun. Nele mit Schauen und Schnuffeln, ich damit, immer wieder den Connect zum Hund herzustellen, der zeitweise mal wieder wie “ich krieg keine Luft mehr” in der Leine hing. Ziel schließlich eher das Dreamteam als die Lachnummer!

Wir sind dann ins Fotogeschäft. Eigentlich wollte mich mir nur mein Traumobjektiv in den Auslagen anschauen, aber als dann ein freundlicher Verkäufer meinte, der Hund dürfe selbstverständlich rein und mir außerdem einfiel, dass ich die Kamera dabei hatte (eigentlich um Fotos zu machen) und ich die schon lange mal zur Sensorreinigung bringen wollte, sind wir doch in den Laden und konnten einen Soforttermin arrangieren. Ich hab mich übrigens hart getan, der Abwrackprämie für alte Objektive zu widerstehen: das 1.4 30mm oder auch 50mm von Sigma, das wäre es und sooo teuer ist es inzwischen nicht mehr. Der Hund scheint sich also manierlich verhalten zu haben. Dann hieß es, eine Stunde Zeit mit Hund überbrücken…

Unser Hardcore Test: Kaufhof. Und da muss ich dann sagen, dass das vielleicht fast etwas viel war. Die Böden dort sind rutschig, - das kann Nele überhaupt nicht ab. Mit dem Aufzug rauf, das ging noch. Aber auf dem Rückweg stürmte Nele zurück in den Aufzug, rutschte aus, die Aufzugtür ging zu, so dass ich mich, um die Lichtschranke zu aktivieren, auch noch dazwischenwerfen musste - und dann standen wir im Aufzug und Nele war nur noch klein und wurde immer kleiner. Ich konnte gerade noch einen Angstpinkler verhindern, hatte ich den Eindruck. Wir waren sehr sehr schnell wieder aus dem Laden… ;-) Wenn ich mir also vorstelle, ich möchte da wirklich mal schauen - dann müssen wir noch eine Menge üben. Obwohl ich fast glaube, für Nele wäre eine “ich schau mal rum” Session soweit okay gewesen, so lange sie nicht viel mit Rumrutschen zu tun hat.

Also haben wir beschlossen, ein Straßenkaffee sei dann wohl eher das Richtige für den Hund - und das war dann auch so. Nele bekam etwas zu trinken, setzte sich hin und schaute, was sich rundrum so tut. Mir ist übrigens zum ersten Mal aufgefallen, dass in Regensburg doch recht viel “Hund” unterwegs ist. Es war eigentlich recht entspannend für uns beide. Ich glaube, wir haben es sogar richtig genossen, Nele nach ihrem Kaufhaus Schock und ich, weil ich so gerne Milchkaffee trinke.

Der Rückweg über den Fotoladen zum Auto verlief dann schon lockerer, eigentlich wären wir jetzt soweit gewesen, noch eine Runde zu drehen, auch wenn Nele fast erleichtert ins Auto gehüpft ist und sich dort erstmal nicht mehr bewegen wollte.

Ich war auch gespannt, wie die Regensburger so auf Hunde zu sprechen sind. Locker würde ich sagen. Da hüpft keiner zwei Meter auf die Seite, da wird niemand panisch, so wie gelegentlich auf dem Wenzenbacher Radlweg, wenn die Radler trotz Leine laut “Hilfe” schreien. Sogar im Kaufhof zwischen den Verkaufsständen war es okay. Man zwängt sich eben zusammen durch. Keiner hat Lust, sich aufzuregen. Ich habe es wirklich als angenehm empfunden.

Vielleicht gehen wir übermorgen nochmal oder nächste Woche mal vormittags. Dann sind die Ferien aus und vielleicht ist es dann etwas ruhiger. Nele jedenfalls hat es echt gut gemacht und ich hoffe, ich so weit so gut auch.

 

4 Antworten zum Beitrag “Stadthund”

  1. Emils Frauchen

    geschrieben am 16 Apr 09 um 19:40

    Emil ist schon im Alter von 12 Wochen durch Fußgängerzonen getrabt. Wir haben ihn so oft es möglich war überall mit hin geschleppt und ich muss sagen, es hat sich rentiert. Emil mag die Stadt, Autos, Krach, Menschenmassen und Aufzüge können ihn nicht erschüttern. Also weiter so - und möglichst immer positive Erlebnisse einbauen.
    LG
    BB

  2. Sateth & Double Trouble

    geschrieben am 16 Apr 09 um 20:25

    In den ersten Monaten gehen wir mit jedem Welpen/Junghund, den wir großziehen, mindestens einmal wöchentlich in stark frequentierte Stadtbereiche. Es lohnt sich für beide Seiten und fördert ungemein die Umgänglichkeit der Hunde.
    Ich kann Dich dazu nur ermutigen, nimm Dir Zeit für solche Ausflüge!

  3. Johannes

    geschrieben am 17 Apr 09 um 07:16

    Ich finde für das erste Mal lief das schon erfreulich gut. Wir haben auch schon mit 12 Wochen begonnen Stadteindrücke aller Art kennenzulernen. Und insbesondere Bel Ami ist mittlerweile - bis auf Skateboardfahrer und zur Ruhe kommen im Kaffeehaus - praktisch völlig problemlos und hervorragender”Berufsbegleiter” ;-) Was uns auch noch fehlt ist die “ganz große Stadt”, da habt ihr mit Regensburg in der Nähe natürlich Glück! Eisenstadt ist klein und in der Umgebung gibts nur Dörfer, daher nützen wir wenn irgendwie möglich halt alle Veranstaltungen (die ich selbst eher meiden würde) wie Kirtag mit Ringelspiel und viel Rambazamba etc. zum Üben ;-)
    liebe Grüße Johannes

  4. Bijous Herrchen

    geschrieben am 17 Apr 09 um 17:14

    Wir nehmen Bijou auch überall mit hin, aber mit glatten Böden hat sie auch so ihre Probleme. Durch das “Glatteis” wird sie verunsichert, schnell nervös und ist dann immer sehr froh wieder draussen zu sein.
    Nachdem sie den “Unfall” mit dem umgefallenen und hinterhergezogenem Aufsteller hatte, ist sie über Stadtausflüge eh nicht mehr so begeistert.
    Wir üben aber trotzdem weiter, - auch “in der Stadt ohne Leine”.

    LG Karlheinz

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