Groß ist relativ
So, heute breche ich mal eine Lanze für alle die, die Angst haben vor Hunden. Heute hatte ich nämlich auch Angst und auch Nele schien es nicht ganz geheuer. Wir sind im Wald zwei Hunden (ohne Leine) samt Herrchen begegnet. Hund möchte ich da schon kaum mehr sagen - Kalb trifft es besser. Ich habe jetzt ein bisschen recherchiert und denke, es könnten(!) English Mastiffs gewesen sein. Und die brauche ich nicht nochmal unangeleint im Doppelpack. Vor allem nicht mit so einem Herrchen.
Okay, das klingt jetzt alles recht klischeehaft, ist es vielleicht auch. Zeigt aber auch die Irrationalität der Sache “großer Hund” im Allgemeinen und Speziellen.
Den English Mastiff Besitzern möchte ich hier ausdrücklich nicht zu nahe treten, ebenso natürlich keinem anderen Hundebesitzer eines großen Hundes (Johannes wird das wissen!)- ich habe nur kurz gegooglet. Es kommen sicher andere Rassen und auch Mischungen in Frage - aber Ihr bekommt so eine Vorstellung davon, was ich meine.
Plötzlich stand also ein Auto und zum Auto gelaufen kam da dieser Hund, ca 15 Meter entfernt. Normalerweise nähert sich Nele recht freundlich und neugierig. Diesmal blieb sie stehen und ließ sich anstandslos anleinen. Das ist recht außergewöhnlich, weil wir hier auch einen Doggenmischling kennen, der zwar auch entsprechend groß ist, aber insgesamt sehr viel Ruhe und ein bisschen was “Tapsiges” ausstrahlt. Nele und ich mögen ihn. Hier war das anders. Nicht Tapsiges, nichts Nettes, - ein Monster, so erschien es mir, nicht unbedingt durch die Größe sondern durch das Massige und durch einen wenig freundlichen Gesichtsausdruck. Nele muss das ähnlich empfunden haben.
Gleich dahinter erschien dann das Herrchen - ein etwas komischer Mensch auf den ersten Blick, der mich eigentlich nur anstarrte (während ich wahrscheinlich zurückstarrte) und nichts sagte. Gar nichts. Ein Fehler wie ich finde. Das hätte die Situation entspannt. Und als hätten Hund und Mensch nicht schon gereicht, um mich irgendwie einsam zu fühlen, trotz Hund, stand da plötzlich noch einer, gleichen Kalibers daneben.
Der Mensch packte die beiden Hunde nach ziemlich scharfem Kommando (und einer der Hunde hatte auch noch einen Namen, … sowas wie “Hasso” oder ähnliches - der Name machts ja auch irgendwie, oder?) ins Auto - und ich muss sagen, da hatte er sie wirklich gut im Griff. Nele und ich standen da, schauten zu und gingen dann, als die Hunde im Auto waren, langsam vorbei und wurden währenddessen von den beiden angebellt (wobei ich denke, das mag nicht unbedingt auf Aggression schließen lassen). Ich hätte mir sehr gewünscht, der Hundebesitzer hätte irgendwas Auflockerndes gesagt. Es hätte mir geholfen, die Situation zu verstehen.
Nele ging noch ein ganzes Stück anstandslos an der Leine mit. Auch das ist eher außergewöhnlich. Meistens will sie schnell weiter und rumschauen und schnuffeln. Nachher, als das Auto an uns vorbei gefahren war, sind wir nur noch eine kleine Runde gelaufen. Mir hat das echt die Laune verdorben.
Lessons learned
Für mich ganz klar…. die Sache mit der Angst vor Hunden ist mehr als irrational. Ich überlege immer noch, ob es die Größe war (gefühlt, waren die Hunde doppelt so groß wie Nele) oder die Masse (Dogge nach Lehrbuch dreimal in die Breite, gefühlt…) oder das Zusammenspiel von Größe und Masse? Oder der Blick (unfreundlich, abweisend, nicht mal neugierig, aber erschreckend). Hätte der Hundehalter sich irgendwie als freundlich geoutet, dann wäre vielleicht alles etwas anders gewesen. So aber bliebt es bei meinem allerersten Eindruck - und der hatte eher mit Angst zu tun. Eigentlich aber glaube ich, die Situation war so festgefahren, dass auch das nichts geholfen hätte. Ein bisschen Angst hatte ich zugegeben auch vor dem Typen…
Es zeigt also, dass der Dialog, wenigstens ein nettes Wort, durchaus hilfreich sein könnte. Für das Gegenüber, vielleicht aber auch für andere Hunde. Es zeigt, dass Angst von vielen Faktoren abhängig ist. Und es zeigt, dass man immer mit Menschen rechnen muss, deren Angstschwelle noch viel weiter unten liegt.
Wer Angst hat vor Hunden, dem helfen die Ahnung und die Hoffnung, es handle sich um ein wohlerzogenes Exemplar, nicht weiter. Es ist Sache des Hundebesitzers, den Rest an Information zu geben oder zumindest auszustrahlen, dass hier alles in Ordnung ist. Irgendwelche komischen Typen mit Riesenhunden wirken halt nicht unbedingt vertrauenserweckend…
Wäre Linus dabei gewesen… ich hätte richtiggehend Panik bekommen!
Sally
geschrieben am 01 Jun 09 um 10:12Ja, das geht mir auch des öfteren so. Hier gibt es einige dieser riesigen Kälber. Wenn die auf einen zukommen, da kann man schon manchmal Angst bekommen. Gott sei Dank, sind die meisten so verständnisvoll und leinen ihre Hunde an. Und durch die Hitze bei uns, geht es meistens etwas ruhiger zu. Trotzdem halte ich es lieber so, etwas Abstand halten und wenn möglich dem ganzen aus dem Weg zu gehen. Vorsicht ist immer besser als Nachsicht.
Außerdem glaube ich wenn jemand sagt, er hätte diesbezüglich noch niemals Angst verspürt, der lügt.
Liebe Grüße
Sally’s Frauchen
Siggi und Joy
geschrieben am 01 Jun 09 um 10:19Hallöchen,
Wow, das war ja ein Erlebnis!! Ich kann das ein wenig nachfühlen, denn wir hatten in unserem kleinen Dorf im letzten Jahr eine Familie (!! Mit auch kl Kindern) wohnen, die diese Sorte Hunde hatten. Das weibliche Exemplar hat damals mit 7 Monaten an die 70 kg gewogen - das Mänliche Tier hatte die Dame nie mit an der Leine. Ich war auch gelinde gesagt ‘beeindruckt’ von der Masse dieses einen, noch kleinen, Hundes! Was dem ganzen dann aber die Krone aufgesetzt hat, waren dann die Wochen nach der Begegnung mit Frauchen und Hund. Dann nämlich waren beide Hunde (Rüde und jundes Weibchen) des öfteren ALLEIN (!!!!) auf der Straße zu sehen an dem die Familie wohnte. Sie haben die Hunde nämlich auf ihrem offenen Grundstück zum Pipi raus geschickt und die haben dann mal so nachgeschaut was vor ihrem Hof so los ist…… Ich traute mich mit Joy da kaum noch vorbei und selbst andere Menschen ohne Hunde waren da sehr skeptisch. Ohne schlecht reden zu wollen, die Hunde habe nie jemanden etwas getan außer sie zu erschrecken, aber die Größe ist einfach Ungeheuerlich und sie unbeaufsichtigt laufen zu lassen ist einfach ohne Worte….. Ach ja, ich muss noch eines zufügen. Diese riesen Tiere mitsamt 5 Kindern und zwei Erwachsenen haben in einer Haushälfte mit einer 3 Zimmer Wohnung + Garage gewohnt. Puh, da kommt man doch ins Grübeln, finde ich.
Nach ca einem halben Jahr sind sie wieder umgezogen, wegen Trennung des Paares. Und viel länger wäre es auch nicht mehr gut gegangen mit den Hunden, dann hätte irgendwer sicher eine Anzeige erstattet. Vielleicht hatte sie schon Glück, das wir ‘Dörflies’ nicht einfach so schnell die Nachbarschaft anzeigen.
(Vielleicht war es aber auch ein Fehler es nicht zu tun, denn haben es zwei Hunde in der Größe den ganzen Tag in einer kleinen Wohnung mit 7 Personen wirklich gut? Ich weiß es nicht.)
So war das bei uns mit diesen Riesen - die laut Internet ja schwer aus der Ruhe zu bringen sein sollen - das hat mich zu einem ganz ganz keinen Teil beruhigt.
Liebe Grüße
Siggi und Joy
Johannes
geschrieben am 01 Jun 09 um 10:29Ich versteh deine Reaktion und deine Angst total, ich bin ganz sicher, es wäre mir um keinen Deut anders gegangen in dieser Situation. Und zumindest auch Bel Ami wäre genauso verdutzt bzw. zurückhaltend dagestanden mit dem Gesichtsausdruck: bitte was ist das?
Die Größe ist wahrscheinlich wirklich noch ein zusätzlicher angsteinflößender Parameter, und doch sind es - wie du auch schreibst - vielleicht vorrangig die Physiognomie, der Gesichtsausdruck, die Gestik, die Mimik des Hundes - und ganz sicher auch des/der Besitzers/Besitzerin. Ist doch zweifellos ein Unterschied, ob vor euch ein großer eleganter Hund steht oder einer, der aussieht, als käm er grad vom Nahkampftrainingsstudio. Und in den Millisekunden, in denen die Angst entsteht, ja, wohl auch der Name ;-), wenngleich der natürlich nur auf der emotionellen Ebene eine Rolle spielt.
Passt dazu: Gelegentlich, auch heute Morgen wieder, begegnet uns eine Dame mit einem sehr muskulösen American Stafford Terrier. Die Dame lächelt immer sehr freundlich und signalisiert dass sie gern hätte, dass ihr Hund mit meinem spielt. Da ich aber ihren einmal vor vielen Monaten, als er noch jung war, mit einem anderen Genossen spielen sah, war klar, dass meiner mit dem nicht spielen wird. Daher grüße ich freundlich und versuche halbwegs anständig vorbeizukommen an den beiden ;-). Und auch hier ist es so, dass ich Angst vor dem ja gar nicht großen Hund habe und das obwohl sein Frauchen zwar ein wenig dümmlich, aber sonst harmlos und freundlich wirkt. Aber der Hund hat einen stoisch-unfreundlichen Gesichtsausdruck und signalisiert Wünsche, die ich mir ungern umgesetzt vorstellen möchte! Und der Punkt ist, dass Bel Ami das offenbar exakt genauso empfindet wie ich, er, der immer nervig zum anderen hin will, weil ja alle lieb sind, geht recht flott und strammen Schritts mit mir vorbei ;-)
Und richtig: Die Kombination Hund-Besitzer ist ein Verstärker, in die eine oder andere Richtung: Hätte der Terrier einen Besitzer wie jenen von den beiden bei dir heute, wäre meine Angst auf jeden Fall um einiges größer!
liebe Grüße Johannes
Emils Frauchen
geschrieben am 01 Jun 09 um 17:08Ich kann Dich voll und ganz verstehen. Ich würde mich als Menschen bezeichnen, der nie noch Angst vor Hunden hatte. Aber genau ein Bullmastiff Rüde hat auf einer Hallen-Ausstellung mal dafür gesorgt, dass ich ziemlich unsicher und sehr vorsichtig an dem Mastiff vorbei durch eine Engstelle gegangen bin. Dieser riesige Kopf mit der undurchschaubaren Mimik war einfach sowas von Furcht einflößend und für mich nicht lesbar.
LG BB
Diana
geschrieben am 01 Jun 09 um 19:34Hihi! Eigentlich finde ich Mastiffs Klasse, es kommt aber oft auf die Besitzer an. Ja, die koennen schon gucken das einen ganz mulmig wird aber das taeuscht meistens - die gucken eher vorsichtig und runzerln dabei die Stirn noch mehr :-) Was die seltsame Ausstrahlung des Herrchens der Beiden angeht, kann ja auch sein dass er deinen Schreck mitbekommen hat und mittlerweile die Nase voll davon hat - genauso wie ich wenn einer umdreht oder erstarrt nur weil ich einen schwarzen Hund habe.
Ich kann dich trotzdem verstehen :-)
liebe Gruesse,
Diana
Anne-Kathrin
geschrieben am 01 Jun 09 um 19:43Schön, dass Ihr das alle auch so seht… ich kam mir schon ein bisschen komisch vor. Aber Neles Verhalten allein hat gereicht, um mir zu zeigen, dass ich nicht so daneben lag.
Birgit sagt es ganz richtig “undurchschaubare Mimik” - ich war mir wirklich nicht sicher, ob er gelangweilt rumsteht oder gleich losrennt.
synpa
geschrieben am 18 Jun 09 um 17:59Kurze Frage, war das zufällig ein Mann der so bissl wie ein Bodybilder aussieht und einen roten Kastenwagen fährt ?
Dann kenn ich ihn, der ist ganz nett und die Hunde auch, nur er ist so genervt von von allen Leuten weil er immer nur blöd angeschaut wird und wegen seiner großen Hunde. Er hatte schon gerichtliche Streitereien mit unserer Gemeinde. Er hat übrigens einen super Anwalt falls man mal mit der Gemeinde streiten möchte ;-) Falls du ihn mal wieder siehst musst ihn einfach mal ansprechen, taut ganz schnell auf und unterhält sich auch gern über unsere ach so “hundefreundliche” Gemeinde.
LG Syndi & Jason