Der Gaul im Hund

Ranpirschen

Manchmal macht mich der Briard wahnsinnig, hätte ich hier gerne getitelt, aber dann kommen sie sicher schon, ohne einen Satz gelesen zu haben, angelaufen und fragen sich, warum ausgerechnet ich es mit einem Hund aufnehme. Heute wieder eine Episode des täglichen Wahnsinns.

Der Briard zeichnet sich als sehr kontaktfreudige Spezies Hund aus, das merke ich immer mehr.  Menschenkontakt ist für den Briard zwar ganz nett, aber das “unter sich sein” und “mit seinesgleichen” ist dann doch um einiges erstrebenswerter.  Da hilft irgendwann auch die zuckersüße Hundestimme nichts mehr, das Leckerli kann dem Hund auch gestohlen bleiben. Es bleibt ein letzter Blick zurück, der dem Menschen zu verstehen gibt: “Klar, deine Botschaft ist schon angekommen, ich soll da bleiben! Aber weißt du was? Es ist mir im Moment vollkommen egal, denn es gibt Wichtigeres, siehst du das denn nicht?” Und schon nimmt der Briard vorsichtig Tuchfühlung auf. Da wird sich erstmal vorsichtig rangepirscht (siehe Foto), um dann irgendwann zuzuschlagen. Das bedeutet den eleganten Jump nach vorne mit freudigem Schwanzgewedel.

So haben wir heute eine nette Boxerhündin kennengelernt und dazu die ebenso nette Besitzerin jener Boxerhündin. Und weil alles so nett war, konnte ich Nele sogar noch verstehen…

Dass allerdings danach Anarchie ausbricht, ist eine andere Sache. Lucky ist immer wieder eine ganz heiße Kiste. Nein, so heiß dann auch wieder nicht. Lucky ist ein kastrierter Mischling (ich glaube, es war der, bei dem irgendwann jemand sagte “keine Ahnung, aber ich glaub, der Spitz von der Post ist auch mit drin” - aber ich kann mich darauf nicht festlegen) und eigentlich mäßig interessiert an Nele. Nele hingegen hat einen Narren an ihm gefressen. Da kann ich nicht mit.

Den Rückweg haben wir mit Linus gemacht. Auch eine heiße Kiste. Vor allem, wenn Kind lieber im Schnee liegt und Bälle zusammensucht, die alle mit nach Hause sollen (ungeachtet der Schneemassen in unserem Garten), sämtliche Beschwörungsformeln fehlschlagen und Hund sich in inzwischen weiterhin im Anarcho-Gebahren übt. Wo sich also zuerst zerreißen? Manchmal bräuchte ich einen Klon. Ich war  erstmal ziemlich angesäuert. Ich muss zugeben, dass es mir nicht immer gelingt, die “totale Freundlichkeit” an den Tag zu legen. Ja, ja, ich weiß, man muss den Hund loben. Aber ich finde, man darf auch als Hundebesitzer gelegentlich Mensch bleiben ;-) Ätz - und gelegentlich gibt’s da nichts zu loben.

Gerade schwöre ich mir außerdem mal wieder, diese Teamzusammensetzung zu meiden.  Aber ich weiß genau, dass ich sie unheimlich süß finde, meine Zwei, und dass ich ihnen das dann auch verzeihen kann - ungeklont. Morgen ist auch wieder ein Tag. Und dann gehen wir wieder wo anders. Nicht auf der blöden Wiese, die ich sowieso langsam nicht mehr sehen kann. Ich fahre inzwischen sowieso jeden Tag irgendwo hin, aber einmal täglich landen wir halt dann doch meistens einfach schnell vor der Haustür…

Noch für alle, die jetzt laut aufschreien, ich hatte das schon mal: unsere Wiese ist der Knackpunkt. Nicht der Hund. Wiese, das ist so ähnlich wie die Erweiterung des eigenen Gartens. Da werden alle freundlich begrüßt und bespielt.

Wie geht Euch das? Haltet Ihr das 24 Stunden am Tag durch, die Gratwanderung zwischen “ich koche innerlich und lege immer und andauernd meine freundliche Hundestimme auf”? Und habt Ihr auch Gegenden, in denen der Hund sowas wie ein “Heimrecht” beansprucht?

 

5 Antworten zum Beitrag “Der Gaul im Hund”

  1. Johannes

    geschrieben am 18 Feb 09 um 20:08

    Also jetzt in der Hoffnung, dass das Frauchen nicht mitliest!
    Erstmal, solche Tage gibt es bei Hund, da heißt es einfach möglichst ruhig bleiben, Hund gewinnt eh ;-)
    Was die Teamzusammensetzung betrifft: Kann ich gut nachvollziehen, ich werd schier wahnsinnig, wenn die Enkel dabei sind, habs schon mal beschrieben, sie stacheln die Hunde auf und die warten auch drauf … Chaos pur, mein Puls permanent nahe 200. Frauchen sagt dann ich sei hysterisch und sowieso an allem schuld …
    Zum Knackpunkt: Eure Wiese ist unser Park, praktisch 1:1! Und trotzdem haben wir von Anfang an drauf Wert gelegt, dass WIR es sind, die bestimmen ob gespielt werden darf oder nicht und auch wann gespielt werden darf. Heißt, auch wenn sie andere Hunde sehen und wir alle sie als Freunde identifizieren, dürfen sie erst loslaufen, wenn wir es erlauben, was wir meist auch tun. Wir haben aber damit die Karte im Talon, sie ohne große Mühe zurückzuhalten, wenn es keine Freunde sind oder wir es aus anderen Gründen nicht wollen … das funktioniert bei Paris zu gut 95%, bei Bel Ami für sein Alter auch schon ziemlich gut, aber natürlich noch mit deutlichem Verbesserungsbedarf. Wird aber bei wirklich praktisch jedem Spaziergang geübt!
    Natürlich kochen auch wir oft innerlich, aber auch da gibt es Unterschiede: Ich hab die etwas höhere Reizschwelle (bin nicht ganz sicher ob Frauchen das bestätigen würde), was nicht heißt, dass sie gelobt werden, wenn sie Dinge tun, die klar verboten wurden. Aber ja, sie werden viel mehr gelobt als getadelt. Und fast wage ich zu behaupten: Ja, ich schaffe es fast 24 Stunden … irgendwie vom Hund gelernt ;-)
    Herzlichst Johannes

  2. nelli

    geschrieben am 18 Feb 09 um 21:04

    hi nele,

    johannes hat ganz recht, es gibt tage, die sind eben so wie sie sind….! da sind unsere menschen in gedanken wo ganz anders, reagieren nicht rechtzeitig ….. und wir haben eben dann glück gehabt! rufen, pfeifen etc. nutzt dann nichts, wir würden eh nicht reagieren. solche momente genieße ich. und mein mensch weiß, dass er gerade ohne chance ist und ….

    andererseits schlägt mein frauchen auch harte “töne” an, denn das ewig freundliche geseusel kommt dann eh nicht an, dann wird klartext geredet, sie kommt und ich werde an die leine genommen und muss mit ihr mit, auch wenn es gerade so schön ist. find ich zwar nicht unbedingt prickelnd, ist meinem menschen aber egal. es darf auch mal mit zwang sein. manchmal hab ich dann das gefühl… o.k. sie hat doch das längere ende der leine, mein frauchen … und das find ich dann auch o.k.. schließlich muss ja einer sagen wo es lang geht.

    sei lieb gegrüßt von nelli

  3. Anne-Kathrin

    geschrieben am 18 Feb 09 um 21:14

    Ja, ja… ;-)
    Harte Töne, das versteht dann auch die Nele.
    An die Leine muss sie dann natürlich auch, das weiß sie und daran führt kein Weg vorbei.
    Und siehe da: plötzlich kann der Hund so ganz ohne mit der Wimper zu zucken ordentlich Fuß gehen, schaut, wenn man “schau” sagt und ist der liebste und bravste aller braven Hunde.

  4. Diana

    geschrieben am 18 Feb 09 um 21:23

    Na ja, mich machen eher Menschen wahnsinnig, weniger die Hunde oder Kinder :-)
    Aber ich weiss ganz genau was du meinst: Sonntag vor einer Woche, als Dixie sich die Kralle verletzt hat, da war sie ein Gaul! Wuselig, ungestüm, nicht zu bremsen, voller Lebenslust war sie. Und ich? Ich hatte eher die Vorstellung eines gemütlichen Spazierganges mit etwas gepflegte Unterhaltung….Vielleicht warte ich noch 1-2 Jahre mit solch frommen Wünsche :-)

    lieben Gruß,
    Diana

  5. Emils Frauchen

    geschrieben am 19 Feb 09 um 12:36

    Emil kennt die liebe Säuselstimme, aber er weiß auch genau wann ich sauer bin. Als er mich mal voll auf einem Schotterweg umschmiss, weil er aus dem Stand einen imaginären Hasen jagen wollte, hatte ich mich auch nicht mehr im Griff und es gab ein verbales Donnerwetter. Sehr brav konnte mein Hund an diesem Tag nach Hause gehen.
    Emil kann ruhig mal spüren, dass ich sauer auf ihn bin. So ein dickköpfiger Rüde kann das schon ab und an mal wegstecken. Emil trägt es mit Fassung und manchmal meine ich ein leichtes Grinsen in seinem Gesicht zu erkennen…”Frauchen wieder, muss die sich so aufregen?”
    Spätestens dann lachen wir uns wieder an und sind wieder Freunde.
    LG BB

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