Zum Sozialen hinter dem Hundehaben

Die Geschichte in Wenzenbach nimmt immer absurdere Züge an… vor allem aber spielt sich das Ganze auf einer nicht mehr tragbaren Ebene ab. Ich war heute im Dorf unterwegs und habe mit einigen Leuten gesprochen, die sich direkt an die Gemeinde gewandt hatten um zu protestieren.

Lest selbst.

Es sei ein Ausdruck unserer kranken Gesellschaft, wenn man einen Hund halten müsse, um sozialen Kontakt zu den Mitbürgern zu finden, liest und hört man da als (offizielle!) Antwort darauf, dass es sich bei der Hundehaltung bei vielen Menschen um eine Verbesserung der Lebensqualität handle, da man mehr Bewegung, sozialen Kontakt und Austausch bekäme.

Jetzt wissen wir es also: wir sind offenbar alle ein bisschen krank, weil wir uns einen Hund halten “müssen”.

Ach ja: und hält jemand von Euch einen Hund in einer Wohnung? Habt Ihr nur einen normalen Garten und keinen Schlosspark? Böses Foul. Es sei in der Verantwortung des Hundehalters dafür zu sorgen oder sich einen passenden Hund zuzulegen, dass der Hund im Garten genug Auslauf erhalte ohne durch die Pampas gejagt zu werden. Wenn der Garten zum Hund passe (oder der Hund zum Garten), dann reiche ein einfacher Gartenzaun - dann bekomme der Hund auch im Garten genug Auslauf.

Hey, das wäre doch mal ein Gesetzesbeschluss, um die Welt frei zu machen von Briards, Doggen und anderen kampflustigen Bestien großen Hunden!

Was die Sache mit dem Hundekot betrifft, so sei dieser selbstverständlich in der heimischen Mülltonne zu entsorgen, da man die Entsorgung von Hundekot aus einer öffentlichen Mülltonne den Gemeindearbeitern nicht zumuten könne. Es bleibt offen, ob man glaubt, ich würde die Häufchen mit der blanken Hand aufheben und wie sie sind in den Müll werfen. Es bleibt offen, was ekliger ist: ein schimmliges Pausenbrot, auf dem sich die Maden tummeln oder ein Hundehäufchen in zugeknoteter Tüte.

Die Überprüfung des Ganzen macht sich die Gemeinde einfach. Wenn der Sepp seinen Namen bei der Gemeinde nennt, um andere zu denunzieren, dann ist das im Ordnung. Ihm wird sicher Glauben geschenkt und er bleibt anonym: der, dem der Sepp mit seiner Anzeige das Bußgeld aufdrückt, wird den Namen vom Sepp nie erfahren. Das alles, damit der Sepp weiter für Recht und Ordnung sorgen kann, ohne dabei sein Leben aufs Spiel zu setzen. Ist doch prima, oder? Da macht es doch richtig Spaß, seinem Nachbarn mal eines reinzuwürgen!

Ist es nicht schön, das Landleben? Ist sie nicht praktisch, die Spezlwirtschaft? Ich frage mich unterdessen, wo ich da gelandet bin… Und dabei finde ich es hier wirklich schön, idyllisch. Ja, und nette Leute hab ich über den Hund übrigens auch kennengelernt. U. beispielsweise.

Vielleicht habe ich ja in Zukunft immer ein Tütchen dabei, das ich aber recylce, um “meine” Hundewürstchen blanko in die Mülltonnen zu kippen… schließlich leben wir in Zeiten der Rezession ;-) Was die Gemeinde wohl inzwischen mit meiner Hundesteuer macht?

Übrigens soll die Strafe bis zu 500 Euro betragen. Rasant Autofahren (und damit wirklich eine Gefährdung darzustellen) scheint dagegen ein Schnäppchen und mutet wie ein Kavaliersdelikt an…

 

2 Antworten zum Beitrag “Zum Sozialen hinter dem Hundehaben”

  1. Johannes

    geschrieben am 20 Apr 09 um 19:52

    Also jetzt sind wir einmal richtig geschockt ob dieser Nachrichten! Jetzt mal abgesehen davon, dass wir einen Schlosspark haben (Scherz!), verkaufen etwa - vollkommen zurecht unseres Erachtens - verantwortungsvolle ZüchterInnen nicht an Leute, die als ihre 2 einzigen Argumente Hund zu kaufen haben “weil uns die Rasse so gut gefällt” und “wir haben ein Haus mit einem großen Garten!!”. Denn das ist sehr oft - so lehrt die Erfahrung - die Ausrede dafür mit dem Hund nicht raus zu gehen (weil er sich ja eh im Garten austoben kann)! Und wir alle wissen, dass das aus vielerlei Gründen schlichtweg falsch ist. Daher wird das von manchen guten Züchtern auch zurecht entsprechend hinterfragt.
    Fürs erste fällt uns auch kein guter Rat ein, außer das nächste Mal einen Bürgermeister zu wählen, der selbst einen (großen) Hund hat ;-) (im Ernst: wir profitieren hier in der Tat diesbezüglich von unserer Frau Bürgermeisterin!)
    liebe Grüße Johannes

  2. nelli

    geschrieben am 20 Apr 09 um 20:47

    hi nele,

    weder ein kleiner noch ein großer garten kann mir meine täglichen spaziergänge mit meinen kumpels und mit meinem menschen ersetzen. hier wird zusammen geschnüffelt, “zeitung” gelesen, gelaufen und gesportelt, gespielt, versteckt, neues erkundet etc. …. und natürlich damit die bindung zu meinem menschen gefestigt. einfach unersetzlich… und deshalb nicht unterkriegen lassen! ihr macht das schon richtig! geht raus, fahrt einfach ein stückchen in den bayerwald und lasst euch von den wenzenbachern nicht zu sehr beeindrucken! manche menschen können nicht im geringsten einschätzen, was es bedeutet “einen hund” einen freund nennnen zu können. schade! die wissen gar nicht, was sie versäumen!

    lg nelli

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