Heute mal meine Geschichte
Ich dachte, angesichts der Leinendebatte, der Angstmacherei und Polarisierung sei es mal an der Zeit, meine Hunde-Geschichte zu erzählen - aus der “vor Nele Zeit” sozusagen. Ich hatte nämlich eines: panische Angst vor Hunden. Vor großen Hunden (wobei groß relativ ist - ich kann das im Nachhinein nicht an 50cm ausmachen).
Ich war, ich denke, 16, als ich mit dem Fahrrad fuhr, durch ein Neubaugebiet in Wenzenbach, an einer Baustelle vorbei. Dort wurde gerade gebaut, ein Mann war da und auch ein Hund. Irgendein Schäfermischling oder auch ein Schäferhund, genau weiß ich es nicht mehr.
Gedacht habe ich mir nichts, ich bin einfach weitergefahren, habe eigentlich nicht weiter an den Hund gedacht, bis… der Köter (sic!) plötzlich an meinem Wadl hing. Ich war zunächst erschrocken, schaute aber dann an mir runter, stellte fest, dass ich zwar ein Loch in der Hose hatte, aber sonst nichts weiter. Der Hundebesitzer reagierte kaum. Er entschuldigte sich nebenbei, ich meinte in meinem Schock noch zu ihm, es sei ja nichts passiert und fuhr weiter. Allerdings nur ein paar Meter, bis ich feststellte, dass mir das Blut runtertriefte.
Es ging dann weiter mit Notaufnahme (es war natürlich ein Sonntag), um eine Tetanusimpfung aufzufrischen, sicherheitshalber. Und es ging dann weiter mit einer Schmerzensgeldklage, die auch durch ging, was mir immerhin noch einigermaßen Genugtuung verschaffte, denn im Nachhinein hat mich vor allem das laxe Verhalten des Hundebesitzers richtig gestört - und: ich hatte ab sofort Angst vor Hunden. Nein, die Geschichte war kein Drama, die Narbe sieht man aber heute noch.
Damals hatte ich einen Freund, dessen Familie auch einen Hund hatte. Einen Boxer. Ich kannte Jule schon vor dem Unfall und sie war mir unsympathisch. Boxer haben die Tendenz, extrem zu sabbern (so hätte ich das früher formuliert) - sprich eine permanent nasse Schnauze zu haben - und das war mir als Nicht-Hundebesitzer und damals bekennendem Katzenmenschen (ich hatte damals in meinem Kopf das Katzen und das Hundemenschen Bild, beides war für mich nicht vereinbar) einfach ungestüm. Ebenso konnte ich mit diesem knautschigen Boxergesicht nichts anfangen. Aber Jule war ein durchwegs friedlicher, freundlicher Hund. Mein Problem war ihre ständig triefende Schnauze….
Ab meinem Unfall bin ich dem Boxer aus dem Weg gegangen. Ich bin jedem Hund aus dem Weg gegangen. Und manchmal hätte ich hysterisch schreien können. Insbesondere Schäferhunde erweckten ab sofort mein Misstrauen und alles auf vier Pfoten, was größenmäßig annähernd in diese Richtung ging. Das einzige, das ich mit der Zeit gelernt habe, war, mich zu beherrschen, cool zu bleiben. Den Zugang zu Hunden habe ich seither nicht gesucht und auch nicht gefunden. Für mich waren alle Hundebesitzer mit spitzschnäuzigen, großen Hunden die “Bösen” par excellence, eine suspekte Spezies - inklusive befelltem Anhang.
Ich habe nicht versucht, an meinen Vorurteilen etwas zu ändern. Hunde waren für mich total passé.
Dass ich mich dann doch irgendwann mit Hunden anfreunden konnte, kam einzig durch meinen - ja im Nachhinein irgendwie doch sehr verwunderlichen, wenn auch prima Entschluss, mir selbst einen Hund zuzulegen. Ich wollte ein Haustier, das man überall mit hinnehmen kann. Und eine Ratte wollte ich nicht ;-) (das schreibe ich, weil es Cornelius Vorschlag war…) Ich wollte ein Haustier, zu dem ich eine Beziehung aufbauen kann - mein Tier als Freund. Und schon war klar: das alles kann nur ein Hund.
Naja und dann kam es wie es kommen musste: ich hatte mich in die Idee Hund verliebt. Was ich alles nichts wusste, ist eine andere Geschichte, zu der ich mich auch bei Gelegenheit outen muss. Was ich wusste ist: ich will unbedingt einen Hund. Einen mit ganz viel Fell drumrum. Ein Knuddelmonster. Einen Familienhund. Und: einen großen Hund s (wobei mir nicht klar war, was groß ist und als ich die kleinen, knuffigen Briards gesehen habe, da wurden 60cm Schulterhöhe plötzlich relativ - aber man wächst ja mit ;-)) - keinen fürs Sofa (inzwischen weiß ich, dass Sofas auch für große Hunde sehr attraktiv sind ;-), ich meine keinen Hund, den man größenmäßig mit Katzen oder mit Sofakissen verwechseln könnte). Und dann war irgendwann klar, dass es ein Briard sein mus. Nichts anderes. Alles, was ich über Briards gelesen habe, hat mich darin bestärkt - auch die Briardsche Sturheit…
So bin ich also auf den Hund gekommen… und habe nun das Haustier und den Hund meiner Träume!
Naja und ich denke, einiges gelernt habe ich über Hunde auch. Dinge, die ich vorher zum Teil nicht wusste, ja an die ich nicht mal im Traum gedacht hätte (ich gestehe, aber das ist wie gesagt eine andere Geschichte). Ich habe meine Angst Hunden gegenüber überwunden. Ich “stelle” mich sogar einem Hund, der aufgestellt einen halben Meter größer ist als ich. Vor Schäferhunden allerdings habe ich immer noch Respekt. Den werde ich wohl auch nicht mehr los… Vor allem aber habe ich immer noch Respekte vor Hunden und Hundehaltern, die achtlos einfach durch die Gegend rennen und solchen, die offenbar den Eindruck erwecken möchten, sie seinen ein “gefährliches Gespann”. Glücklicherweise gibt es davon wirklich wenige.
Wenn Menschen Angst haben vor Hunden, so verstehe ich das gut. Das gilt insbesondere für Kinder. Meine Geschichte hat mich gelehrt, dass man nicht gedankenlos sein darf, wenn man einem Hund begegnet. Die Fehler, die man machen kann, ja die man vielleicht instinktiv macht, können von Hunden falsch interpretiert werden. Gesunder Respekt ist also gar nicht so verkehrt und den habe auch ich heute noch.
Trotzdem herrschen eine Menge Vorurteile und Fehleinschätzungen, die ich erst durch die ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema Hund überhaupt abbauen konnte. Ich würde gerne ein bisschen mithelfen, dass andere, so wie ich, lernen, die Dinge anders zu sehen. Sie müssen sich dafür ja nicht unbedingt selbst einen Hund zulegen…
Johannes
geschrieben am 26 Apr 09 um 16:27Klingt ja optimal, andere zahlen entweder jahrelang den Therapeuten oder aber entwickeln sich immer mehr zu irrationalen Hundehassern. Und was du natürlich gleich mitgelöst hast, ist die Beziehung deiner Kinder zu den Hunden, denn Angst ist wie wir wissen bis zu einem gewissen Grad vererbbar.
Wenn wir auch viele schöne Begegnungen haben, es gibt auch die der anderen Art: Mama oder Papa haben die Panik vor Hunden, insbesondere vor großen, und Kind, das noch nicht “verdorben” ist und Interesse und Freude zeigt, wird beim Anblick der großen Hunde sofort panisch in “Sicherheit” gebracht, obwohl gar nix unsicher war und das wird noch verbal verstärkt mit “Schnell weg, die sind gefährlich” o.Ä. … was wird ein solches Kind wohl verknüpfen und mit der Zeit daraus lernen? Und die gestörte Beziehung ist schon vorprogrammiert :-(
liebe Grüße Johannes