Aktion Leinenverordnung

Seit gestern liegt meine Unterschriftenaktion samt Brief im Hunde und Katzeladen. Ich gehe nebenher und mobilisiere Hundefreude unterwegs. Die Resonanz ist soweit sehr, sehr gut - ab morgen habe ich dann auch immer einen Stift dabei. Auch “die Bürger”, eine Wenzenbacher Partei, ist gegen die Leinenverordnung. Ich finde, - der Grund für das Ganze: es muss auch eine politisch unabhängige Initiative geben.

Am 28. April ist Gemeinderatssitzung - bis dahin brauchen wir Unterschriften! Bitte unterstützt die Beibehaltung der bisher bestehenden, liberalen Regelung! Für unsere Hunde und für ein nettes Miteinander. Wir Wenzenbacher sind doch wirklich keine intolerante Masse, die sich nicht selbst auf eine freundliche, soziale Gemeinschaft einigen könnte, oder?

Dafür bin ich, dafür sind hoffentlich auch alle Hundehalter. Hier der “offizielle” Text wie er der Unterschriftenliste beiliegt:

“Wir, die Wenzenbacher Hundebesitzer sind entsetzt über die durch den Gemeinderat zum 01.06. 2009 beschlossene Verschärfung der  Leinenverordnung.
Die neue Verordnung ist in ihrer Begründung teils realitätsfern und lässt eher darauf schließen, dass hier Interessen einzelner vertreten werden, statt ein Exempel zu statuieren, wie eine soziale Gemeinschaft gelungen funktionieren kann.

Wir wünschen uns die Beibehaltung der bisherigen Regelung, insbesondere aber das Recht auf ein soziales Miteinander in netter Gemeinschaft sowie ein gelungenes Zusammenleben von Tieren und Menschen.

Ein gut erzogener Hund braucht die Gemeinschaft nicht nur mit Menschen sondern auch mit anderen Hunden. Er braucht je nach Rasse Auslauf, nicht nur an der Leine und er braucht Aufgaben, die an der Leine nicht durchführbar sind. Dies entspricht einer artgerechten Haltung und ist daher auch im Tierschutzgesetz so vorgeschrieben. Da die Gemeinde über keinerlei ausgewiesenes Gelände für Hunde (”Hundewiese”) verfügt, wird es ab Juni nicht mehr möglich sein, ohne Auto seinen Hund artgerecht zu bewegen.
Statt zu mehr Toleranz aufzurufen, den sozialen Charakter einer Gemeinschaft zu fürdern und den Ort mit Hilfe der erhobenen Hundesteuer hundefreundlicher zu gestalten, beschließt die Gemeinde mit der verschärfte Leinenverordnung eine Regelung, die den artgerechten Umgang mit Hunden im Gemeindegebiet unmöglich macht und ein angenehmes Miteinander von Menschen und Hunden wie auch den arttypischen Umgang von Hunden untereinander deutlich erschwert.

Das Gros der Gesellschaft legt Wert auf ein Miteinander und auf Solidarität. Gegenseitige Rücksichtnahme ist daher selbstverständlich und wird im Allgemeinen genau so praktiziert, indem beispielsweise auf dem Radlweg Platz für alle ist: Radler, Nordic Walker, Spaziergänger und auch Hunde (die für viele Hundebesitzer übrigens auch ein Hobby darstellen).  Dazu gehört selbstverständlich auch, seinen Hund je nach Situation und Gegenüber abzurufen und anzuleinen.
Auch in Waldgebieten funktioniert das Miteinander. Im Allgemeinen trifft man auf nette Förster und Forstarbeiter, die durchaus Verständnis dafür haben, dass Hundebesitzer mit ihren Hunden dort spazierengehen.
Die zur Begründung der Verschärfung herangezogenen Beispiele vom wildernden oder aggressiven Hund, die uns Hundehaltern eher realitätsfern anmuten, werden von Einzelnen angesprochen, um ein Bild von Hundehaltern und Hunden zu schaffen, das es in dieser Form in Wenzenbach nicht oder ebenfalls nur in Einzelfällen gibt.  Die Wenzenbacher Hunde leben vielfach in Familien mit Kindern und sind daher von klein auf voll sozialisiert.

Selbstverständlich legen auch wir Hundebesitzer Wert auf ein sauberes Dorf. Die vom Gemeinderat angesprochene Verunreinigung durch Hundekot ist übrigens nicht ausschließlich durch Hunde einer Größe von 50cm und mehr verursacht. Abhilfe könnten so genannte Hundetoiletten und Mülltonnen schaffen, die an verschiedenen Stellen des Orts, beispielsweise am Radlweg oder am Flurbereinigungsweg, aufgestellt werden könnten und gleichzeitig auch der generellen Verschmutzung durch achtlos weggeworfene Verpackungen aller Art entgegenwirken könnten. Als Hundehalter wehren wir uns gegen eine Spaltung der Gemeinde zugunsten der Interessen einzelner Randgruppen wie beispielsweise passionierter Jäger.
Wir fordern daher die Beibehaltung der liberaleren, bestehenden Variante der Leinenverordnung sowie die Förderung der Gemeinschaft, wie sie bisher - scheinbar bis auf Ausnahmen von beiden Seiten- auch gut funktioniert.
Wir wünschen uns mehr Toleranz unter Berücksichtigung persönlicher Freiheiten aller und setzen uns ein für ein familien- und tierfreundliches Wenzenbach.
Wir verpflichten uns selbstverständlich zu gegenseitiger Rücksichtnahme und würden uns gerne mit der Gemeinde für ein sauberes Wenzenbach einsetzen, auch was die angesprochene Verschmutzung durch Hundekot betrifft.

Wir möchten grundsätzlich darauf hinweisen, dass für Kampfhunde natürlich eigene, sinnvolle Regelungen gelten (müssen), die wir zum Schutz der Gesellschaft durchaus begrüßen.”

 

2 Antworten zum Beitrag “Aktion Leinenverordnung”

  1. Johannes

    geschrieben am 15 Apr 09 um 21:24

    Hallo Anne,

    wenn ich das richtig verstehe, dürfen wir auch als Nicht-Wenzenbacher, zumindest hier dazu Stellung nehmen.

    Gleich vorweg: Selbstverständlich unterstützen wir dein/euer Anliegen, nämlich die bisher bestehende liberale Regelung beizubehalten voll und ganz!

    Wir finden es auch wichtig und gut, dass politische Initiativen die Sache unterstützen, in jedem Fall sollten Entscheidungen aber nicht von parteipolitischen Interessen geleitet werden, sondern immer der Vernunft und den Maximen einer aufgeklärten Gesellschaft folgen.

    Das was du “liberale” Regelung nennst folgt eben der Vernunft und den Geboten eines gedeihlichen Miteinanders in einer Stadt, einer Gemeinde, einem Dorf. Denn Verschärfungen, so lehrt die Geschichte, haben immer nur zu Eskalationen, zu Ausgrenzungen, zum Gegeneinander und zu Intoleranz geführt. Insbesondere eine kleine und - wie wir von deinem Blog wissen - reizende und idyllische Gemeinde wie Wenzenbach kann ein Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Hunde vorbildlich und zum Wohle aller leben!

    Wir wünschen dir, der Initiative und somit ganz Wenzenbach alles Gute und sind überzeugt, dass auch eure politischen Vertreter eure Argumente nicht nur verstehen, sondern sie als Angebot und einen tollen Beitrag für ein besseres Wenzenbach begrüßen!

    Mit lieben Grüßen aus Österreich
    Johannes

  2. UschaSu

    geschrieben am 16 Apr 09 um 01:22

    Überzeugend argumentiert, gut formuliert. Wer kann da noch nein sagen?
    Dann wünsche ich mal viel Erfolg!

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