Wie soll ich Euch meinem Hund erklären?

Einige bedenkenswerte Momente der letzten Tage und Wochen lassen Unverständnis und Wut in mir hochkochen. Nee Leute, ich  bin bei der Erziehung meines Hunds genauso gefühlsduselig wie bei der meiner Kinder. Und ich bin stolz drauf, wenn ich das Gejaule mancher Hunde um mich herum so höre…

Wir können uns natürlich über die Erziehungspraktiken und Philosophien honoriger Hundeversteher und Hundeerzieher streiten.
Im Moment aber frage ich mich viel öfter und sorgenvoll: was machen manche Leute mit ihren Hunden?

Es ist nicht normal, so glaube ich, wenn Gassigehen darin besteht, den Hund an der Straße angeleint bis zum Ende vom Gartenzaun zu führen, damit die Scheiße nur ja nicht im eigenen Garten landet.
Gibt es Hunde, die keinen Bock haben auf Auslauf?

Es ist nicht normal, einen Hund den ganzen Tag in der Wohnung zu halten und ihn durch mangelnde Sozialkontakte zu anderen Hunden und auch Menschen zu einer vollkommen aufsässigen Töle zu machen.
Gibt es Hunde, die keine Lust auf andere Hunde, Menschen und den Duft der Welt haben?

Es ist nicht normal, glaube ich, wenn ich das Hundehalter Herrchen in der Nachbarschaft Abende hintereinander rumbrüllen höre, während der Hund parallel dazu immer wieder in den höchsten Tönen quietscht.
Gibt es Hunde, die sich einen Spaß daraus machen, das Gebrüll von Menschen mit großem Gequietsche zu untermalen?

Es ist nicht normal, dass ein Hund, der wenn auch bellend auf meinen Hund zukommt (um übrigens ebenso lautes Gebelle von Nele zu kassieren, bis ich die Dame außer Reichweite gezerrt habe - und ich finde die Nummer nicht sonderlich gelungen…) von seinem Besitzer schroffstens zurückgepfiffen wird,  dann vor seinem Herrchen sitzen muss und Sekunden später so laut heult und wimmert, dass man ihn noch 150 Meter weiter durch geschlossene Türen und Fenster hören konnte.
Reglementierung: okay. Aber so: nein. Was auch immer da  nur mit halbem Auge beobachtbar passiert ist, zuviel ist zuviel.
Oder gibt es Hunde, die auf Kommando für drei Minuten heulen wie eine Sirene, weil sie erkennen, dass sie einen Fehler gemacht haben? Stell dich in die Ecke und weine…?

Es ist außergewöhnlich, dass da sogar mein Hund sofort hellhörig wird, sich einige Meter weiter auf die Straße setzt und verwirrt um sich schaut, als wolle sie um Hilfe rufen, den ganzen Spaziergang lang sehr eng bei mir läuft und einen insgesamt irritierten Eindruck macht.
Es ist ebenso außergewöhnlich, dass Nele den Cornelius plötzlich den restlichen Tag anbellt und anknurrt.

Es ist übrigens auch nicht okay, dass der Nichthundebesitzer meinen angeleinten Hund anplärrt, nur weil der gerade zufällig da ist, wo sich außer dem Nichthundebesitzer eben auch noch Menschen mit Hund tummeln.

Nee, erzählt mir was ihr wollt.
Binär find ich okay. Das verstehe ich, das versteht mein Hund. Mehr brauch ich nicht.
Und ein bisschen Herz und menschliche Dummheit dürfen auch dabei sein.  Komischerweise funktioniert nämlich auf die Art und Weise sogar mein sonst gelegentlich störrischer Hund und erweist sich als ganz ganz lieber Begleiter. Jeden Tag.

Und Ihr Hundebesitzer, die Ihr meint, es ginge nur mit Gewalt oder Gebrülle: Danke, kann ich nur sagen! Wie soll ich Euch meinem Hund erklären…?
Beim nächsten Mal frage ich Euch, damit Ihr wenigstens mir gegenüber hoffentlich einmal hochrot angelaufen seid, wenn Ihr keine wirklich plausible Antwort geben könnt.

Oder habe ich etwas verpasst?

Ratlose Grüße.

 

3 Antworten zum Beitrag “Wie soll ich Euch meinem Hund erklären?”

  1. Chilli

    geschrieben am 26 Feb 11 um 20:28

    So oder so ähnlich spielt sich auch vieles in unserem Dorfe ab…erschreckend.
    Chilli reagiert da übrigens genau wie Nele, sie ist danach einige Zeit verwirrt, verunsichert und such meine Nähe…

    Manchen Tierhaltern sollte man gehörig in den Hintern treten, leider reicht das meistens nicht, hoffentlich geben die Hunde alles zurück was sie erhalten haben…

  2. Diana

    geschrieben am 27 Feb 11 um 13:59

    Noch erschreckender finde ich dass solche Hundehalter, die wir hier im Dorf auch haben, sich in den Augen der Allgemeinheit einen Ruf als Hundeerziehungs-Experten erarbeitet haben. Sie erteilen ungefragt Ratschläge, be- und verurteilen die Hunde und Erziehungsmethoden von Nicht-Gleichgesinnte.
    ” ‘n Lebe lang Hund ghabt, hamm’a scho immer so gmacht!” heisst es bei uns und fragen hilft nicht :(

  3. Christian

    geschrieben am 04 Mär 11 um 22:43

    Hamma schon imma so gmacht, höre ich auch immer wieder. Bei der Kindererziehung hört man dann: Ich habe auch welche auf den Hintern bekommen… und es hat mir auch nicht geschadet. Ich verkneif mir da den Kommentar.

    Manche Leute können sich einfach nicht von den verkrusteten Denkweisen verabschieden und leben immer noch in der Vergangenheit. Ich weiß von Leuten die damals ihren Hund, der davon gelaufen ist, nachdem er zurückkam, mit der Leine an die Hauswand gebunden haben, damit er sie nicht beißt, weil sie ihn danach mit einem Stock etc. verprügelt haben. Ein anderer hat seinen Zwingerhund eingeschläfert, weil er ein Kind angeknurrt dass ihn von außen geärgert hat, denn ein aggressiver Hund kommt sofort weg.
    Zwingerhaltung war früher auch noch viel weiter verbreitet.

    Gerade diese Leute meinen aber leider, sie hätten die Weisheit mit dem Löffel gefressen und vor allen Dingen - und das ist das Nervigste - müssen sie alle ungefragt an ihrem unglaublichen Wissen teilhaben lassen, ob es jmd interessiert oder nicht.

Auch was dazu sagen?