Ab 1. Juni wird es ernst

Heute früh hat mit ein Artikel in unserer Lokalzeitung, der Mittelbayerischen, ganz schön die Laune verdorben: ab 01.Juni wird es in ganz Wenzenbach Leinenpflicht für “große Hunde” geben. Nicht mehr nur an ausgewiesenen Strecken. Nein. Überall. Total.

Der Briard ist ein großer Hund und ganz Wenzenbach, das heißt explizit auch unsere geliebte Hundewiese. Die Argumente, die diese Entscheidung unterstreichen, sind etwas scheinheilig und zum Teil unverständlich. So heißt es dort (Zitat eines Gemeindesrats):

Er habe einen Anruf von der Polizei bekommen, teilte Wiesbeck mit. Demzufolge sei unweit des Radwegs ein Reh von einem Hund gerissen und halb aufgefressen worden.

und weiterhin

Mit der neuen Verordnung sei auch ein weiteres Problem in den Griff zu bekommen: der Hundekot in den Wiesen.

Vielleicht fühlt sich der ein oder andere an jene Geschichte erinnert, die ich beschrieben hatte, als wir bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Kira von einem Landwirt genötigt wurden, seinem Traktor auszuweichen, der auf einem Feldweg in deutlich unangemessen hoher Geschwindigkeit fuhr…

Fazit: in Wenzenbach nach Beschluss des Gemeinderats ab Juni nur noch mit Leine, egal wo.

Glücklicherweise gibt es im Gemeinderat auch Menschen, die das alles etwas anders sehen. Ich werde nun versuchen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und auch, andere “Großhundebesitzer” zu mobilisieren.

Auch kleine Hunde machen Häufchen, wenn auch kleinere. Dem könnte man übrigens entgegenwirken durch Aufstellen von entsprechenden Hundehäufchentütenbehältern und Abfalltonnen. Dann wäre vielleicht auch der anderen Müll entsorgt, von dem leider niemand spricht. Nicht nur der große Jagdhund könnte Lust auf Reh bekommen. Und nicht nur der große Hund könnte Nordic Walking Sportlern Hallo sagen wollen. Es ist alles eine Frage des Miteinanders - finde ich.

Es soll nicht darum gehen, am Sicherheitsdenken der Menschen zu rütteln -ich bin selbst mit 15 von einem Schäfermischling vom Fahrrad geholt und ins Bein gebissen worden und wünsche das niemandem. Ich selbst habe ein kleines Kind und möchte, dass es sich frei bewegen kann und wir keine Angst haben müssen. Aber ich hätte gerne einen Dialog zwischen verantwortungsvollen Hundebesitzern und toleranten “Minihund”- oder Nichthundebesitzern. Es muss möglich sein, dass wir alle in Frieden nebeneinander leben können und jeder seinen Freiraum hat.

Ich wüsste gerne, wie das bei Euch ist, insbesondere in kleineren bis mittelgroßen Gemeinden. Habt Ihr auch Totalverbote? Habt Ihr versucht, dagegen vorzugehen? Gibt es bei Euch Hundehäufchen-Abfallbehälter? Gibt es bei Euch  Hundewiesen?

Wir haben hier gut 8000 Einwohner. Explizit ausgewiesene Hundeplätze gibt es nicht. Im Ort ist es nun also tabu, im Gelände und im Wald schreien die Bauern und andere, die einen Acker oder eine Jagderlaubnis haben. Wo sollen wir noch hin?

 

9 Antworten zum Beitrag “Ab 1. Juni wird es ernst”

  1. Pete

    geschrieben am 26 Mär 09 um 11:41

    Hi,

    Bin per Twitter auf diesen Beitrag gestossen, Wohnhaft bin ich in der Schweiz, ich weiss nicht mal ob wir per Gesetz Leinen zwang für Hunde haben. Dennoch finde ich es auch teilweise verrückt das Hunde egal wie gross immer wieder in den selben Topf geworfen werden “Quasi, Hunde sind eh Böse und haben nur fressen im Kopf” (ach ja, wir haben einen OES Bobtail).. Hier denke ich ist es immer auch eine frage wie und vor allem was die Besitzer mit dem Tier machen, Hundeschule usw. Wenn nicht Hundebesitzer sich nur mal am Wesen eines Hundes Orientieren würden, würden Sie merken was der Hund von Ihnen will.
    Ach ja, wir haben auch Hundehäufchen- Behälter, doch die Nutzen nicht viel wenn Herrchen / Frauchen sich nicht drum bemühen das häufchen auch dahin zu “Entsorgen” der Hund von alleine macht das nicht!

    Naja, schade irgendwie immer wieder mal solche Artikel lesen zu müssen….

  2. Johannes

    geschrieben am 26 Mär 09 um 13:33

    Hallo Anne,
    und wie ich deinen Ärger verstehe! Eisenstadt ist zwar Landeshauptstadt, hat aber auch nur ca. 11.000 Einwohner, also ein Dorf ;-). Leinenzwang gilt auch hier ausnahmslos überall - nur die neu errichtete Hundeauslaufzone ist ausgenommen, dort waren wir aber noch nie. So ist etwa sowohl im Park als auch auf den Feldwegen Leinenzwang. Es hält sich aber kaum jemand dran. Oder genauer: Ich habe den Verdacht, dass sich nur jene dran halten, die asoziale und unerzogene Hunde haben, die sie nicht frei laufen lassen können und die tun dann so als wären sie die braven Gesetzeskonformen :-(

    Auf den Feldern oder im Wald sind wir alle sozusagen auf die “Gunst” der Jägermeister angewiesen, da weiß jeder, wo es die netten und wo die bösen gibt und insbesondere im Park ruft ständig irgendwer die Polizei an und die blauen Wichte jagen dann die bösen Hundebesitzer, oft schaun sie aber auch dezent weg. Und da sie eh nicht die (sc)h(n)ellsten sind, sehen sie die meisten Hundebesitzer ohnehin schon rechtzeitig und leinen ihre Hunde halt kurz an und tun so als ob ;-)
    Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht: wo kein Kläger da kein Richter … unsere Frau Bürgermeister hat selber einen lieben Hund und mit den Parkzuständigen haben wir eine Art Gentleman-Agreement: im oberen Bereich herrschen die Hunde, die Spaziergeher bleiben eh meist unten. Die Erfahrung lehrt eigentlich, dass sich solche Gesetze solang nix passiert mit der Zeit eh aufweichen und damit kann dann jeder leben bis auf ein paar Dauerstänkerer
    liebe Grüße Johannes

    PS: “Er haben einen Anruf bekommen …” Das kann doch wohl nur ein Scherz sein, sowas passiert bei uns mindestens wöchentlich. Da ist der Gemeinderat aber schon ein wenig dünnhäutig.

  3. Anne-Kathrin

    geschrieben am 26 Mär 09 um 13:40

    Ja, wo kein Kläger, da kein Richter.
    Und genau da sehe ich das Problem!
    Wir sind ja in Wenzenbach, ein kleines Kaff mit viel Getratsch und vielleicht auch Missgunst!?

    Zwar habe ich keine Ahnung, wie man das eigentlich kontrollieren möchte, aber es gibt erfahrungsgemäß eine Menge Menschen, die nichts besseres zu tun haben, als anderen Leuten eins auswischen zu wollen.
    Viele Gemeinden bauen einfach von hinten bis vorne auf “Spezlwirtschaft”.
    Es sei, so steht auch in dem Artikel wiederholt vorgekommen, dass Nordic Walking Sportler von Hunden zum Anhalten gezwungen worden seien… Ich kenne keinen Nordic Walking Menschen, der jemals angesäuert gewesen wäre. Ich glaube daher eher, man erzählt sich halt “irgendwas” und jeder interpretiert es so dramatisch wie er es gerne sehen möchte…
    BTW können wir den Radlweg im Sommer nicht gehen , das ist fast so überfüllt wie Autobahnen in der Hochurlaubssaison.
    Aber das ist was anderes…

  4. Diana

    geschrieben am 26 Mär 09 um 14:30

    Bin zugleich traurig und empört. Mir fällt schon sehr viel zu diesem Thema ein, zu viel für einen einzelnen Kommentar also werde ich irgendwann einmal im dixieblog was dazu schreiben.

    Wir leben in einem kleinen Dorf mit etwas über 900 Einwohner in dem die Schönwetter-Hundebesitzer sich nicht zuständig fühlen den Kot ihrer Hunde vom Bürgersteig, Hofeinfahrten, Spielplätze, etc. aufzusammeln. Noch haben wir keine Leinenpflicht, keine von der ich was weiss, aber die wird mit höchster Wahrscheinlichkeit auch kommen.

    Unsere Gesellschaft ist geprägt von blinden Aktionismus, wir schreien alle nach Sicherheit, Reglementierungen und mehr Gesetze. Eine Spinnen-Phobie ist chic, da lässt man sich behandeln, eine Hunde-Phobie schiebt man dann in die Verantwortung des Hundebesitzers - “Er soll sich und seinen Hund einschränken damit ich mich entfalten kann!”

    Es wäre doch sinnvoller gewesen, nach diesem von Wiesbeck geschilderten Fall, den Hundebesitzer zur Verantwortung zu ziehen und ihm alleine eine Leinenpflicht für den wildernden Hund aufzuerlegen. Wieso wird den sofort pauschalisiert? Man macht es sich damit EINFACH und anderen SCHWER.

    traurige Grüße,
    Diana

  5. Sateth & Double Trouble

    geschrieben am 26 Mär 09 um 16:25

    Da staunt der Großstädter, der die ländliche Idylle vor Augen hat, wenn er der Metropole den Rücken kehrt. Wälder, Wiesen, großflächige Felder verleiten zu der Annahme, vor den Städten müssten paradiesische Zustände für Hundehalter herrschen. Augenscheinlich weit gefehlt!

    In Berlin gelten vergleichsweise “großzügige” Vorschriften, denn eine generelle Leinenpflicht existiert nicht. In Anbetracht der ohnehin vielfachen alltäglichen Verstöße gegen das Berliner Hundegesetz wäre sie auch nicht durchsetzbar. Das Ordnungsamt ist schlichtweg überfordert.

    @ Johannes, die Exekutive liest mit. Und sei gewiss, mitunter handelt der “Wichtel” bewusst umsichtig oder wie Du es nennst, nicht so schnelle ;-).

  6. Anne-Kathrin

    geschrieben am 26 Mär 09 um 16:55

    Es ist unschön für uns, wenn das Gefühl aufkommt, hier könnten die eigenen Interessen Einzelner im Vordergrund gestanden haben…

    Ich will aber nicht an der Entscheidung rütteln - nicht primär.
    Ich möchte Bewusstsein dafür schaffen, dass man, sobald man Hundesteuer erhebt, auch etwas für Hundebesitzer tun sollte. Ein Platz für Hunde, Hundetütchen, was auch immer… Aber bestimmt nicht, die Großen aussperren. Wie gesagt: auch der kleine Hund macht Häufchen, auch der kleine Hund kann beißen (und manchmal penetranter bellen als ein großer!), er kann auch einen Hasen jagen. Und mein Hund? Der würde beim besten Willen kein Reh in den Griff kriegen.
    Lustig finde ich “halb gefressen”. Trotzdem mein Hund ein Feinschmecker ist - das kann ich mir so gar nicht vorstellen.

    Eigentlich treiben sie uns in die Pampas mit der Entscheidung. De facto wohnen aber rund um Wbach diverse Landwirte und Hobbyjäger, die vielleicht nur darauf warten, dass irgendwas passiert und sie versehentlich einen “wildernden Hund” erwischen.
    Die Erfahrung von damals:
    Dialogfähigkeit gleich Null. Angst hatten wir. Und er hat bekommen, was er wollte.

  7. Johannes

    geschrieben am 26 Mär 09 um 18:47

    Hallo Sateth & Double Trouble,
    ups, das war wohl voll ins Fettnäpfchen ;-) aber im Ernst: es ist ganz richtig was ihr schreibt und wir wissen es auch, die meisten Gesetzeshüter schaun wirklich großzügig weg! Und das rechnen wir ihnen wirklich hoch an! Wünschen wir Anne, dass die Wenzenbacher Exekutive auch so freundlich ist!

    Noch eine off topic Anmerkung: Warum schaffe ich es nicht in eurem Blog zu kommentieren? Habe 2x versucht Kommentar zum Briardstandard abzusetzen, bekomme keine Meldung, aber auch Kommentar verschwindet im Nirvana?
    liebe Grüße Johannes

  8. Emils Frauchen

    geschrieben am 26 Mär 09 um 22:19

    Bei uns lief es dieses Frühjahr mal ganz anders: Irgend jemand legte Giftköder aus, 3 Hunde sterben - 20 waren “nur” vergiftet (Quelle: unser TA). Im Gemeindeblatt wird dazu geraten, die Hunde anzuleinen, “was auch im Sinne des Naturschutzes ist”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    LG BB

  9. Sateth & Double Trouble

    geschrieben am 27 Mär 09 um 08:20

    Hallo Johannes,

    das ist natürlich sehr schade, wenn Kommentare ihren Adressaten nicht erreichen! Leider habe ich davon nun schon häufiger gehört. Die Ursache kann ich nicht ergründen, als Blog-Azubi fehlt mir das nötige Wissen. Sofern Du es gestern in den Nachmittagsstunden versucht hattest, könnte es an der angekündigten kurzzeitigen Systemunterbrechung gelegen haben.
    Am ehesten funktioniert die Kommentarerstellung auf unserem Blog mittels dem Profil “Name und URL” eingeben. Dennoch benötigt man oftmals mehrere Versuche.

    Wirklich bedauerlich, denn gerade zum Beitrag “Briardstandard” hätte ich mich über Meinungen anderer interessierter Rassehundehalter außerordentlich gefreut.

    Liebe Grüße, Birgit

Auch was dazu sagen?