Volkssport hierzulande

Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass es so etwas Absurdes wie einen “Volkswandertag” noch irgendwo anders außer in Wenzenbach gibt. Wahrscheinlich aber dann doch. Das Ganze nennt sich kurz “IVW” und vielleicht steht das “i” für international, was dann bedeutet, dass man auch als Nicht-Wenzenbacher mitwandern darf.

Seit Tagen ist der “IVW” ausgeschildert und dieses Wochenende ist es endlich so weit. Der große, alljährliche Event steigt.

Volkswandertag, das bedeutet nicht etwa mit Freude und anderen einen Spaziergang zu machen. Hier ist man mit Ernst bei der Sache. Kein Spaß sondern bitterer Ernst.  Da Wenzenbach außer dem jedes Jahr wiederkehrenden runden Geburtstag eines komischen Vereins und dem obligatorischen Bierzelts nicht viel zu bieten hat, gehört natürlich auch der IVW zu den bemerkenswerten Ereignissen des Jahres.

Der professionelle Volkswanderer startet wahlweise die 5 oder 10 Kilometer bereits um 7.00 Uhr und hat das Ganze dann nach einer halben Stunde, Stunde hinter sich gebracht. Wahrscheinlich aufgrund seines internationalen Charakters werden auch am Sonntag ganz früh schon die ersten Busse von auswärts angekarrt. Es bleibt offen, wie lange die Anfahrtszeit für 5 km Laufen denn gewesen sein mag.

Der professionelle Volkswanderer ist perfekt ausgerüstet, so dass unsereins als Hundehalter nur neidisch werden kann. Hier wird die neueste Schöffel Kollektion vorgeführt, hier steigt der Wettbewerb der hübschesten Matschgrau-Gummistiefel. Auch das strengste Wetter (in diesem Fall aktuell Nieselregen bei ungefähr Null Grad) hält ihn nicht von seinem Marsch ab, um später ein hübsches Emblem, sprich eine edle Anstecknadel, in Empfang nehmen zu können. Wahrscheinlich gibt es unterwegs mindestens eine Verpflegungsstation mit stärkender Suppe oder noch stärkenderem Schnaps - das allerdings ist nur eine Vermutung.

Geschätzte 90 Prozent der Wanderer rücken mit Nordic Walking Stöcken an. Wahrscheinlich haben sie auch noch ein Ersatzpaar im Rucksack. Wobei: Rucksäcke sieht man selten, obwohl auch Kinder oder die Oma noch mitgeschleift werden. Manch einer zerrt (ja zerrt) auch noch einen Hund mit. Für Hund sicherlich mäßig spannend.

Eigentlich könnte mir dieses lustige Treiben herzlich egal sein. Wäre nicht der Startpunkt gleich um die Ecke und fände nicht das Massenpilgern direkt vor unserer Haustür statt. Hund beäugt das natürlich mit wachem Interesse. Heute nachmittag werden wir ins Auto steigen und abseits der gut beschilderten und genauestens geplanten Route einen Spaziergang machen. Wenn die heute nachmittag noch unterwegs sind.

Der Profi absolviert seine Pflicht wahrscheinlich termingerecht vor dem sonntäglichen Kirchgang…

 

8 Antworten zum Beitrag “Volkssport hierzulande”

  1. Diana

    geschrieben am 08 Feb 09 um 10:40

    Das kommt mir ja so bekannt vor. Nein, nicht nur in Wenzenbach, sondern auch bei uns gibt es eine jährliche IVW! Allerdings im Sommer, mit 5, 10 und 20km Strecke. Die Profis starten tatsächlich um 7 Uhr, die Spaßvögel erst um 15 Uhr und trudeln dann 1Minute vor Schluss, um 17 Uhr ein ;-) Die Spaßvögel (wir sind nicht die Einzigen!) lassen dann die erwanderte Strecke zu Gunsten des Kinderchors eintragen, damit die Kleinen einen Pokal gewinnen. Ja, wir haben hier viele Spassvögel, denn die Kinder haben den Pokal schon das vierte Jahr hintereinander - DAS ist der wahre Volkssport geworden :-) Leider werden die Hunde nicht mitgezählt, es sind aber viele dabei, die meisten ohne Leine und diese laufen dann die doppelte Strecke…
    Aber ja, die Ernsthaftigkeit die manche Wanderer an den Tag legen ist schon zum barfen, du hast heute mein Mitgefühl !

    lieben Gruß,
    Diana

  2. Anne-Kathrin

    geschrieben am 08 Feb 09 um 10:42

    Nee, hier gibt es nur den Hardcore Wanderer….
    Dabei sein ist zwar alles, Social wird groß geschrieben. Die Profis bleiben allerdings unter sich.
    Schade eigentlich, wenn ich das so lese. Vielleicht wäre das eine Anregung fürs nächste Mal: kollektives, spaßiges Hunde-Volkswandern nach dem 7.00 Uhr Pulk.

  3. Emils Frauchen

    geschrieben am 08 Feb 09 um 11:04

    Als ich vor ewigen Zeiten noch aktiv fast jeden Sonntag an IVV Wanderungen im ganzen Land teilgenommen habe, war das noch ganz anders. Schöffel & Co. gab es damals anscheinend noch nicht, Nordic Walking war noch nicht erfunden und 5 km Strecken existierten nicht. Wir sind so gut wie immer 20 km gelaufen und die waren wegen der Länge nicht gerade überfüllt. Unser Hund lief immer frei und hatte einen Riesenspaß. Verbissene Wanderer waren damals eher die Seltenheit, es ging um die schönen Strecken und um das Wandern an sich. Ab und an dachte ich schon daran, wieder an den Wanderungen teilzunehmen, aber ich glaube, das kann ich mir jetzt doch ersparen. ;-)
    LG BB

  4. Anne-Kathrin

    geschrieben am 08 Feb 09 um 11:10

    Oh ich will es Euch nicht verleiden!
    Ich glaube, hierzulande ist das schon besonders speziell… :-)

  5. Silvie

    geschrieben am 08 Feb 09 um 12:11

    was haben wir für Glück !!!!!!!
    Wenn wir wirklich mal einen Wanderer treffen sind wir echt erschrocken.
    Unsere Wege geht kaum jemand :-)
    Das ist soooo schön die Ruhe und die Geräusche des Waldes zu geniessen.
    Landkind Indi

  6. Anne-Kathrin

    geschrieben am 08 Feb 09 um 13:30

    Es heißt übrigens IVV - und ich habe keine Ahnung, wofür das zweite V steht.
    Wir sind heute gegen den Strom spazieren gegangen. An der Leine.

    @Indi… wir sind auch Landeier, auch wenn dieses Kaff sich immer mehr vergrößert. Glücklicherweise gibt es hier ganz viel Platz und das genießen wir genau wie Ihr sehr! Nur heute leider nicht direkt vor der Haustür :-(

  7. Johannes

    geschrieben am 08 Feb 09 um 14:22

    Internationaler VolkssportVerband ;-)
    herzlichst Johannes, auch mit Leidenschaft Landei

  8. Anne-Kathrin

    geschrieben am 08 Feb 09 um 14:24

    Okay, das “macht Sinn”… Danke :-)

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