Eine Frage des Fells oder die Dreck-Locks
Also einer der Punkte, die mir ja im Januar diesen Coralian Stress einbrachten, waren mehrere Hinweise auf das Verfilzungstempo briardigen Fells. Das wisse man oder man habe es gefälligst zu wissen und es sei keiner Rede wert, meinte damals eine Dame mehr oder weniger unfreundlich, vor allem aber ungefragt per Email.
Ich muss hier mal einiges klarstellen, - vielleicht gerade für die, die den ersten Briard oder wie ich überhaupt den ersten Hund haben… Plus ein Outing.
Als wir Nele damals holten oder zunächst besichtigten, erklärte mir Frau Hensler sehr genau, wie das funktioniert mit der Fellpflege. Ich habe mir alles genau angesehen, gespeichert und auch die Mason Pearson Bürste noch im Hinterkopf. Und beschlossen, es immer genau so zu machen, wie ich es gehört und gelesen hatte.
Aber Nele war noch klein und da ist das mit dem Fell erstmal kein Problem. Man kann sich nicht vorstellen, was auf einen zukommt, sobald Hund wächst (und was habe ich mir gewünscht, dass das Fell lang wird!). Man muss das einmal erlebt haben, um zu wissen, dass 2-3 Stunden Kämmorgie eben nicht übertrieben sind sondern man locker auch 24 Stunden täglich mit Kämmen zubringen könnte.
Nein, liebe Frau O., Briardbesitzerin der Profiklasse und Retterin aller Briardbesitzer. Ich habe es nicht gewusst, wie anstrengend es ist. Ich dachte irgendwo tief in meinem Innersten dann doch irgendwo (ohne das öffentlich zugegeben zu haben…), diese Kämmphilosophie sei ein Spleen derer, die ihre Hunde von Ausstellung zu Ausstellung schicken oder für Züchter eben oder für Menschen mit zu viel Zeit. Und wissen Sie was, Frau O.? Es war gut so. Ich hätt es mir vielleicht nicht angetan. Vielleicht hätt ich keinen Hund. Und ich hätte nie dieses zauberhafte “Herz mit Fell drumrum” kennengelernt. Aber jetzt, jetzt weiß ich es, habe mir Strategien und Hilfsmittel zugelegt und vor allem mache ich das alles mit einem manifestierten Gedanken: dieser Hund, mein Hund, dieser damals so kategorisch als Problemhund eingestufte Hund mit Problemfrau, die unter einem fehlgeleiteten Egotrip leidet, soll nie, nie, nie geschoren werden müssen, weil ich zu dumm oder zu nachlässig war, mich um die Fellpflege zu kümmern.
Inzwischen habe ich netterweise sowohl von Emils Familie als auch von Michels (das ist Neles Bruder) Familie zusätzlich einige ganz hilfreiche Tipps bekommen und weiß inzwischen wie man mit dieser Kralle umzugehen hat, ohne dabei das Deckhaar zu gefährden oder auch mit welchen Sprays und Tinkturen man dem Knoten zu Leibe rücken kann. Und ich habe selbst gelernt, dass ein Haarknoten, der sich beispielsweise unter dem Halsband bildet einfach technisch anders zu behandeln ist als ein Fell-Sand-Dreck Gemisch an den Pfoten (die Variante Dreck-Lock Dread Lock). Was ich übrigens auch gelernt habe ist: verlass dich nie auf das Urteil von Hundebesitzern mit kurzhaarigen Hunden. Auch die ahnen nur vage wie das ist mit dem Kaliber Briard, da können sie es noch so gut meinen….
Ich musste da reinwachsen wie in vieles andere! (und ich bin sicherlich nicht perfekt, den Anspruch habe ich auch nicht…, bestimmt kann man es viel besser machen) Ich musste genau diese Phase des nicht glauben wollens durchmachen, ich musste mich selbst mit einer gewissen Selbstironie beobachten und ich kann nun jedem Menschen, der sich überlegt, einen Briard anzuschaffen sagen:
Du wirst es anfangs für übertrieben halten, was du liest und was man dir erzählt, aber das, was ein Briard an Dreck und Filz mitrumschleppen kann, übertrifft gelegentlich alle Vorstellungskraft (so es denn ein Feld, Wald und Wiesenbriard ist). Du wirst es lernen müssen und du wirst dich an meine Worte erinnern!
Was ich vielleicht gerne machen würde wäre, den Hund nur an der Straße laufen zu lassen, wenn es nach mir ginge. Aber das, was ich dann eben nicht schaffe ist, dem Hund die Freude zu nehmen, in jeden Tümpel zu steigen und durch jede noch so dreckig-sumpfige Wiese zu rennen. Wer hat da mal gesagt, der Briard stamme von der Wildsau ab? ;-)
Und eines vielleicht noch: dieses Fell - in das man sich so wunderbar vergraben kann - ist es wert, gepflegt zu werden, nicht nur für den Hund und für die Optik sondern auch als Wohlfühlfaktor für den Menschen. Briardfell knufft nämlich auch ziemlich…
Emils Frauchen
geschrieben am 18 Jul 09 um 14:56Man kann noch hinzufügen, dass es wirklich Briards gibt, die man nur alle paar Monate richtig kämmen muss - Emils Vorgänger hatte mir z.B. diesen Gefallen getan - bei 2 Briards ein Glücksfall. Es hat viel mit der Fellqualität und der Menge der Unterwolle zu tun, wie sehr das Fell filzt. Außerdem ist Wasser im Fell einer der Filzbeschleuniger Nr.1.
Die Sache mit dem Dreck… seltsamerweise verdoppelt sich der Dreck nicht, wenn man einen zweiten Briard dazu nimmt, sondern er verzehnfacht sich auf wundersame Weise. Das nur als Warnung für alle, die NOCH einen 2. Briard haben müssen. :-)
Noch ein HInweis: Kastrieren führt beim Briard zu fast unpflegbarem, watteweichem Fell. Die Unterwolle meiner kastrierten Hündin ist förmlich explodiert. Einmal die Woche kämmen war lebenslang angesagt. *stöhn*
LG Birgit
Diana
geschrieben am 19 Jul 09 um 15:09Hast du wieder schön geschrieben :-)
Mann, bin ich aber froh einen Kurzhaar-Briard zu haben!
lg,
Diana
Johannes
geschrieben am 19 Jul 09 um 15:30@ Diana: und wie froh wie erst sind, wenn wir das lesen ;-) … heute Bel Ami 5 Minuten mit dem Pferdestriegel bearbeitet und er glänzt wie ein Hutschpferd.
Aber im Ernst: ich versteh natürlich wohl deine Vorliebe für die langen Haare!
liebe Grüße Johannes
Anne-Kathrin
geschrieben am 19 Jul 09 um 20:01Nein, man kann leider nicht behaupten, dass Nele zur Sorte pflegeleichter Briard gehört… ;-)
Heute fiel mir übrigens mal wieder sehr deutlich auf, dass Nele zwar gerne badet (nur bis zur Schulter!), aber Pfützen umschifft, sofern das irgendwie geht… Macht sie leider nicht weniger pflegeintensiv.
Und die Doggen… jaja, wenn ich die beiden in ihrem TippTopp Schwarz so seh, könnt ich schon manchmal neidisch werden ….