Schieflage?

Wir müssen ja nicht einer Meinung sein, aber etwas verwundert bin ich dann doch, dass hier zwei so kategorische Antworten bezüglich der Hund und Urlaub Frage kamen. Und mehr noch frage ich mich erstmal instinktiv: läuft mit mir was falsch? - das ist der Punkt, der mich nachdenklich stimmt.

Ich empfinde es als etwas provokant… da bin ich ganz ehrlich!

Exemplarisch

Ich liebe meinen Hund. Aber vor allem: Ich liebe meine Kinder. Das bedeutet aber nicht, dass ich mir nicht vorstellen könnte, auch mal ein Wochenende ohne sie zu verbringen. Ich habe das auch schon getan (wenn es auch lange her ist) - ganz abgesehen davon, dass es manchmal sein muss, beruflich beispielsweise. Vor allem aber möchte ich natürlich mit meinen Kindern in Urlaub fahren. Und - ich möchte ihnen einen schönen Urlaub machen. Für die Kids heißt das Meer, Pool, Sonne. Im Idealfall richtig weit weg. Kinder mögen eigentlich ganz gerne Cluburlaub (einen mit wenig Animation, aber großem Angebot an Spielplatz etc.) und ich muss sagen, ich genieße es auch (mit noch weniger Animation und einfach nur Ruhe). Mehr noch wäre für die Kinder ein Urlaub mit Wandern ebenso eine Zumutung wie ein Urlaub an der Nordsee (weil Wasser kalt etc.).  Und auch ich habe darauf überhaupt keine Lust. Ich will da schon ein bisschen Lifestyle, Relax und kein bisschen Nachdenken.

Nun geht das aber einfach nicht mit einem Hund, denn der hat andere Bedürfnisse. Und insbesondere passt ein Hund nicht in einem Pool Club.

Soll ich nun zugunsten meines Hundes auf einen Urlaub verzichten, der uns Menschen gefällt? Soll ich Urlaub ohne die Kinder machen? Niemals! Für mich, vollkommen klar, kommt der Hund deutlich hinter meinen Kindern. Dafür muss ich mich nicht rechtfertigen, denn alles andere wäre Wahnsinn, unvertretbar und alles, nur kein bisschen mütterlich. Dass ich meinen Kindern gegenüber wie auch dem Hund gegenüber Zugeständnisse mache, ist vollkommen klar. Dass ich aber dem Hund gegenüber zu Ungunsten meiner Kinder Zugeständnisse mache, ist für mich unvorstellbar.

Kind oder nicht Kind?

Ich denke, es ist eine Besonderheit derer, die keine Kinder haben, oder? Manchmal passen Hund und Familie einfach doch nicht zusammen, außer man integriert beides von Beginn an so, dass es aus einem Guss ist. Kommt aber ein Hund in eine Familie, in der bereits Vorlieben und Interessen klar gesteckt sind, muss sich der Hund unterordnen - wie er sich auch sonst im Zweifel unterordnen muss.

Was hier exemplarisch für den Urlaub gilt, ist erweiterbar. Natürlich gehört der Hund dazu und natürlich nehme ich Rücksicht und richte mein Leben auf den Hund aus. Aber im Zweifel kommt der Hund zum Schluss. Und daher erlaube ich mir, auch mal zu sagen, dass der Hund eben so “mitläuft”.  Daher gibt es auch keinen “Luxus” für den Hund und daher gibt es auch nichts, was nicht dringend nötig wäre für den Hund. Jawoll, Frau O.

Das ist für mich auch nichts, worüber ich prinzipiell reden müsste und vor allem es ist meine Meinung, die aber sicher unausgesprochen von allen geteilt wird, die Kinder haben und sich genauso blauäugig wie ich einen Hund zulegen.

Uff, wo stehe ich da wieder, frage ich mich? Ist es wirklich so ungewöhnlich, an das Thema Hund recht pragmatisch ranzugehen? Ist es wirklich ungewöhnlich, Prioritäten zu setzen?  Ist es unmöglich, einen Hund in sein Leben zu integrieren, ohne ihn zu seinem absoluten Lebensmittelpunkt zu machen? Oder ist es wieder einmal nur eine Frage von … ja von was denn eigentlich?

Ich empfinde es daher als etwas provokant. Meine Frage diente ausschließlich der Notwendigkeit, einen Hund unterbringen zu müssen und kam aus der Sorge heraus, irgendwas falsch zu machen - denn so ganz wohl ist mir bei der Überlegung auch nicht gewesen, die Nele (meinen(!) Hund) in wildfremde Hände geben zu müssen, wenn alle anderen Stricke reißen. Vielleicht ist es ein Privileg beruftätiger Mütter, immer wieder in regelmäßigen Abständen mit schlechtem Gewissen gesegnet zu sein (übrigens auch dem Hund gegenüber!). Manches ergibt sich notwendigerweise aus den Gegebenheiten, die eben so sind wie sie sind. Das schlechte Gewissen kommt dann ganz von allein… der Versuch, es allen (auch noch einem Hund) rechtmachen zu wollen, wirkt gelegentlich eher kontraproduktiv. Aber diesen Spagat kennen auch nur die, die mittendrin stecken.

 

7 Antworten zum Beitrag “Schieflage?”

  1. Dany und Noelle

    geschrieben am 21 Jun 09 um 20:28

    Vielleicht ist es eine Besonderheit der Leute, die keine Kinder haben. Ich denke aber auch so, wie Emils Frauchen, für mich käme auch kein Urlaub ohne Hund in Frage. Bei mir geht das Ganze sogar noch einen Schritt weiter, dass ich zuerst an den Hund denke und alles andere hintenan stelle. Beispielsweise hatte ich mal einen neuen Freund, dem habe ich gleich gesagt, daß zuerst der Hund kommt und wenn dessen tägliche Bedürfnisse erfüllt sind, dann “ist er dann dran”. Er war auch Hundebesitzer und hat das vollkommen verstanden. Auch würde ich beispielsweise nie irgendwie in eine Kneipe gehen oder so, während mein Hund seinen allabendlichen Spaziergang noch nicht hatte. Aber das ist jetzt wohl ein anderes Thema.
    Wahrscheinlich ist es anders, wenn der Hund in eine Familie kommt, aber natürlich weiß ich das nicht genau (Single ohne Kinder). Sicher kommen immer erst die Kinder vor dem Hund. Trotzdem finde ich, dass man weiß, das sich gerade in Bezug auf Urlaub einiges ändert, wenn man sich einen Hund holt. Mit meinem Ex war ich früher auch im Ausland, als wir unsere Cheyenne dann hatten, kam das überhaupt nicht mehr in Frage. So haben wir ein Wohnmobil gekauft und sind an die Ostsee und in die Berge gefahren. Und uns hat nichts gefehlt, im Gegenteil. Wir fanden es einfach nur schön, etwas mit unserem Hund zu erleben. Und ich zehre heute noch davon, denn viel zu kurz war die Zeit mit meiner Mausi - aber das ist wieder ein anderes Thema.
    Ich denke, es gibt Leute, die sich voll auf den Hund einlassen und welche, bei denen er - wie Du so schreibst - manchmal nebenher läuft. Und das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich hab mich voll drauf eingelassen, seit meinem 1. Briard.

    Liebe Grüße, DANY und NOELLE

  2. Anne-Kathrin

    geschrieben am 21 Jun 09 um 21:02

    Ja, ich denke da hast du durchaus recht und so kann ich mir das auch gut vorstellen.
    Übrigens denke ich dabei an jemanden, der mir vor 10-12 Jahren mal sagte: er möge mich wirklich gerne und ein Kind, das sei ja noch okay, aber zwei, das seien definitiv zu viel ;-)
    Der hätt damals wohl auch keinen Bock auf Hund gehabt… und ich damals in jedem Fall auch nicht mehr auf ihn. In Bezug auf Hund ginge mir das heute übrigens nicht anders.

  3. Heidi

    geschrieben am 22 Jun 09 um 10:52

    Hallo Anne,
    wir wären nie auf die Idee gekommen, unsere Hunde jemanden anzuvertrauen. Wir haben erst GEMEINSAM Urlaub gemacht, als meine Tochter 16 Jahre alt war, und mit keinem von uns wegfahren wollte. Somit hat sie, die von klein auf mit großen Hunden aufgewachsen ist, daheim unsere Hunde betreut. Beim ersten Mal haben wir noch die Oma gebeten, hier nach dem Rechten zu schauen, das war dann nicht mehr erforderlich. Nachdem meine Tochter mit 22 Jahren selbst eine Familie gegründet hat, fuhren mein Mann mit 5 (FÜNF) Hunden in Urlaub, auch das kann Spass machen, wenn sie gut erzogen sind. Oder wir fuhren wieder getrennt. Wenn ich mir einen Hund anschaffe, will ich es ihm so toll wie nur möglich machen. Aber es ist eben jedermanns eigene Angelegenheit, ob er den Hund nur so nebenher laufen hat, wie Du es schreibst, liebe Anne, oder der Hund mit zum Lebensinhalt gemacht wird. Es hat sicher noch keinem Hund geschadet, wenn er in einer Hundepension war. Aber der Blog ist dazu da, dass man seine Meinung sagt - oder? Deshalb schreibe ich hier nochmals: MEIN Hund (e) war noch nie 1 Nacht in einer Klinik ohne mich und mußte auch nicht während meines Urlaubs in eine Pflegestelle. Herzlichst Heidi

  4. Emils Frauchen

    geschrieben am 22 Jun 09 um 11:38

    Bei mir war es anders: Ich hatte bereits ein Leben mit Strandurlauben, etlichen extrem Fernreisen, Cluburlaube, …
    Als ich an den Punkt kam, dass ich das alles nicht mehr “brauche” und wollte, kam das Thema Hund ins Spiel. Da ich als Kind schon mit Hunden großgeworden bin, wusste ich auch, auf was ich mich einlasse. Meine Hunde sind alle sehr auf mich geprägt, so wäre es auch überhaupt nicht so einfach möglich, sie jemand anders in die Hand zu drücken und zu sagen: Tschüß, ich fahre jetzt mal in Urlaub.
    Emil z.B. verlässt mit niemand anderem außer uns das Haus… lässt sich von fremden Männern in der Regel ungern anfassen, ist ernährungsmäßig recht anspruchsvoll, ich wüsste nicht was eine vorübergehende Abgabe bei ihm für Folgen hätte. Alleine die Sorge darüber würde mir den Urlaub sicher total vermiesen.
    Aber nach wie vor, habe ich auch früher auf meinen hundelosen Fernreisen immer wieder gedacht, schade dass ich keinen Hund dabei habe… bei mir gehört ein Hund wohl einfach zum Leben dazu.
    Ich fahre außerdem auch nicht ohne meinen Partner in Urlaub, nur weil der Strandurlaube total öde findet. Wir finden immer eine Möglichkeit mit der wir “alle drei” zufrieden sind.
    LG BB

  5. Bijous Herrchen

    geschrieben am 22 Jun 09 um 13:03

    Mein Kommentar dazu: wir haben auch 3 Kinder, 19, 14, 12 - meine Frau ist Selbständig und ich habe meine Firma. 3 Katzen haben wir auch ;-) Immer wieder kommt die Frage: Ja, und dann noch einen Hund ??? Nach dem Motto: ja muss denn das sein, habt ihr nicht schon genug um die Ohren!
    Meine Entscheidung - mir gefällt es und wir achten darauf, dass Bijou nicht zu kurz kommt. Leider muss ich wochenweise immer wieder beruflich in die Schweiz, Bijou mitzunehmen ist nur selten möglich. Es ist nicht schön, aber wir beide müssen es ertragen. Das sind halt die Bedingungen. Im Juli sind wir zu einer Hochzeit eingeladen - aber BITTE OHNE Hund. Sollen wir das respektieren, oder nicht hinfahren? Natürlich fahren wir und Bijou wir für diesen Tag von einer bekannten Freundin versorgt.
    Genau so würde ich im Falles eines Urlaubs entscheiden. Wenn dieser, aus welchen Gründen auch immer, Prio 1 bekommt, muss ich für alles andere (Firma, Hund, Kinder, Katzen ….. usw…..) eine Lösung finden. Und wenn ich das Gefühl und das Vertrauen habe, eine gute Lösung gefunden zu haben, kann ich auch beruhigt den Urlaub geniessen. Aber das ist alles individuell und hängt eindeutig mit den Lebensumständen zusammen, in denen sich jeder befindet.
    Übrigens: in eine uns unbekannte Pension würde ich Bijou niemals geben - aber zu jemanden, der einen oder mehrere Briards hat, sicher sehr gerne. Auch zu unseren mehr oder weniger (un)bekannten Bloggern. Unser Angebot gilt immer.

    LG Bijous Herrchen Karlheinz

  6. Brigitte

    geschrieben am 22 Jun 09 um 14:03

    viele fragen, viele widersprüche, was will ich eigendlich,sich blauäugig einen hund
    zugelegt………

    einiges zum thema urlaub und der hund kommt ganz zum schluss, lässt mich aufschreien.tiere die man sich angeschaft hat, vorausgesetzt man hat sich das GUT überlegt und nicht aus mode oder anderen niedrigen bewegründen ein tier gekauft, kommen bei menschen mit verantwortungsgefühl GRUNDSETZLICH immer zuerst. wir menschen haben einige tierrassen domestiziert und sind daher für sie verantwortlich. wir müssen sie füttern ihnen ein sauberes lager geben und sie gesund erhalten.
    ein kind mit vier jahren kann schon einen kühlschrank öffnen und wei ß wo das wc ist,dafür braucht man morgens nicht aufzustehen aber wer tiere hat sieht das anders.
    wir haben seit 25 jahren pferde und hunde ( briards ) nach langer reiflicher überlegung unser leben auf diese situation eingestellt.da heißt es morgens erst alle tiere füttern stall sauber machen ,nicht weil ein pferd es gern sauber hätte ,nein es dient der gesundheit und wenn alle versorgt sind geht es erst für uns an den frühstückstisch egal ob es ostern oder weihnachten ist. urlaub gibt es nur mit mensch und tier, zwei pferde zwei hunde zwei menschen ,und wer von den tieren ( es sind nun mal einige ) das sind meist die älteren oder die die keine lust auf abenteuer haben zu hause bleiben werden von leuten die die tiere von klein auf kennen hier im haus versorgt und wohnen dann auch bei uns in dieser zeit.

    das wort lifestyle hat mich sehr in alarmbereitschaft gebracht, für diese zwecke
    gibt es diese kleinen ala paris hilton die vertragen sonne und sind sehr pflegeleicht und gehn mit ins handgepäck

    ein briard hätte gern wind in der mähne und da geht es richtung norden ….und immer gerade aus.
    liebe grüsse
    auch an die ,die nicht meiner meinung sind

  7. Anne-Kathrin

    geschrieben am 22 Jun 09 um 15:06

    @Bijou:
    Ja… genau um das geht es natürlich: guten Gewissens.
    Ich glaube, die ja auch vorgeschlagene Variante einer durchaus angesehenen Hundepension hier in der Gegend hätt mir nicht gefallen.
    Man hört und liest zwar nur Gutes, aber irgendwie war mir mulmig bei der Sache.
    Umso mehr freue ich mich jetzt, dass ich Nele bei einem Briardfreund unterbringen könnte, bei netten Leuten, bei denen es ihr gut geht.
    Leider - das muss ich klar sagen:
    Es kann immer wieder passieren, dass der Worst Case eintritt und ich Nele irgendwo unterbringen müsste. Egal, ob es mir gefiele oder nicht.

    Gerade bin ich übrigens nach 5 Stunden außerhalb wieder nach Hause gekommen und fast erdrückt worden vor Freude. Und ich hab mich auch sehr gefreut.
    Glaubt bitte also nicht, dass Nele nicht dazugehören würde!
    Im Gegenteil ist Nele beispielsweise praktisch nie allein oder immer nur kurz. Denn ich kann es nicht ertragen, sie allein zu wissen und gehe inzwischen lieber mit ihr spazieren als allein irgendwas zu unternehmen.

Auch was dazu sagen?