Mein Dreamteam
Nicht so ganz zu Unrecht war damals bei der Anschaffung eines Hundes die Existenz eines kleinen Manns, damals knapp 4, eine der zentralen Fragen. Der nämlich wusste nicht so recht, wie man mit einem Haustier umgeht und was das so bedeutet.
Nach 7 Monaten Hund mal eine Bilanz, da ich heute zufällig in einem Nebensatz gelesen habe, es seien oft die Erwachsenen das Problem in einer Kind/Hund Beziehung. Gefundenes Fressen!?
Linus und Nele: das Dreamteam. Allerdings ein chaotisches Dreamteam. Sozusagen eine verschworene Gemeinschaft, die einen als Erwachsener ab und zu zum Wahnsinn treiben kann. Oder zur Eifersucht: wenn ich in der Früh den Hund begrüße, ist der oft noch völlig fertig vom nächtlichen Hüten, während er, wenn Linus auftaucht, sofort begeistert an ihm hoch hüpft.
Der anfängliche Verschleiß an T-Shirts (10 Stück in zwei Wochen) hat sich inzwischen drastisch reduziert. Unsere Wintersweatshirts leben alle noch. Es ist seither, also wirklich seit der ersten Wochen, nichts mehr zerrissen worden, zumindest keine Klamotten. Das stimmt Mutter schon mal froh, weil die Ausgaben für T-Shirts damit wieder ein Normalmaß erreicht haben und ich nicht mehr an den H&M Doppelpack in fröhlichen Schlammfarben denken muss.
Inzwischen hat auch Linus gelernt, Nele zu signalisieren, dass sie nicht auf ihn drauf hüpfen soll und wir schaffen es damit auch, einen entspannten Spaziergang zu machen, bei dem Linus rennt und Nele dann entweder auch rennt, ihn aber irgendwann überholt und an ihm vorbeisprintet oder aber einfach ihr Ding macht. Naja, meistens zumindest oder immer öfter. Manchmal spielt Nele auch Fangen und das ist nicht so einfach. Vielleicht sind Winterjacken ja auch stabiler…
Damit Neles intellektuelle Erziehung nicht zu kurz kommt, hat Linus kürzlich beschlossen, Nele vorzulesen. Nein, er kann nicht lesen, aber das macht, so meint er, nichts, denn er lese so, wie er wolle und las über einen Ritter mit “viel Angst und viel Mut…” Nele allerdings hatte von dieser Lehrstunde nach kürzester Zeit genug und wandte sich lieber wieder ihrem Rindsöhrchen zu.
Auch an der allgemeinen Erziehung versucht Linus sich, aber seine mit Gesten und wildem Rumgefuchtel untermalten Rufe “Nele, sitz!” geben dann wohl eher Anlass, ein ausgiebiges Spiel zu starten, so eines, bei dem Linus unter der Nele durchkrabbelt, bei dem Nele den Linus und Linus die Nele zerrt, die beiden Fangen mit Richtungswechsel spielen, bis entnervte große Menschen nur noch brüllen “es reicht!” - und man gar nicht mehr weiß, wen man denn nun zuerst maßregeln soll, weil sich die beiden genüsslich selbst ziemlich hochgeschaukelt haben. An dieser Stelle sind also harte Nerven gefragt. Wer sich aber schon einen Linus zugelegt hat und dann noch einen Briard, den schockt so leicht nichts mehr. Da kann einen auch die Kombination nicht mehr umhauen.
Zu sagen habe ich da kaum was. Die beiden sind sich einig. Da hilft dann nur: Hund ins eine, Kind ins andere Zimmer. Einig sind sie sich übrigens nicht, wenn Linus mit etwas Essbarem im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzt. Da lauert die Nele ganz gern und meldet auch ihre Ansprüche an, um dann in einem unbedachten Moment zuzuschlagen. Was solls? Eigentlich sollte Linus das ja auch nicht machen.
Gelernt habe ich übrigens, dass sich der Briard für kleine Menschen hervorragend als Nackenrolle eignet. Manchmal ist das Dreamteam nämlich müde. Dann liegt der Hund zusammengerollt herum und Linus legt seinen Kopf auf ihren Bauch. Beide sehen dabei sehr zufrieden aus.
Nein, ich habe kein Problem und bin auch keines, liebe Kritiker. Das einzige, das ich wirklich anstrengend finde, ist, wenn wir zu dritt unterwegs sind und beide in eine andere Richtung möchten, was bedeutet, dass ich mich klonen müsste, um das vernünftig in den Griff zu kriegen…
Ein Problemchen habe ich dann doch gelegentlich: einen kinderlieben, ja sogar kinderfanatischen Hund. Wann immer Nele irgendwo was Kleines rumwuseln sieht, wird sie neugierig, weil sie von Linus weiß oder glaubt zu wissen, was für einen tollen Spielkameraden sie da hat. Es ist also immer etwas Vorsicht geboten, wenn irgendwo Kinder in Reichweite sind. Eltern zu erklären, dass mein wildes Tier Kinder zum Fressen Spielen gern hat, ist immer etwas schwierig. Ich denke aber, es wird sich geben, wenn denn auch Linus irgendwann weniger wild mit Hund tobt…
Linus übrigens hatte früher panische Angst vor Hunden. Unsere Nachbarn haben einen kleinen Terrier, so was Winziges. Als Linus knapp zwei war, hat ihn die Susi mal am Wadl erwischt. Nicht richtig, nur ein bisschen angehüpft. Nicht mal ein Kratzer. Für Linus damals trotzdem traumatisch. Er redete tage- ja wochenlang nur von “Susi hat…” und zeigte dabei auf sein Bein. Heute ist er richtig mutig, wenn es um Hunde geht. Allerdings durchaus reserviert anderen Hunden gegenüber und das finde ich gut so.
Johannes
geschrieben am 04 Feb 09 um 21:39Jetzt mal abgesehen davon dass ich glaube den Nebensatz zu kennen, euer Szenarium schlagen wir fast locker: Frauchen mit Kinderwagen und Carmen, Sascha und die beiden Pelzigen in einer Gegend, in der Letztere (noch) an der Leine gehen müssen … also zu fünft. Sascha beginnt zu laufen, wohl wissend, dass das die Pelzigen motiviert und dass gleich der komplette Zirkus losbricht, die Doggen fangen an nachzulaufen, weil natürlich Sascha, damit es auch wirklich funktioniet, was er vorhat, ein Stöckchen in der Hand schwenkt, gleichzeitig arbeitet sich Carmen aus dem Kinderwagen raus und für den Rest braucht niemand besonders viel Phantasie ;-)
herzlichst Johannes
Anne-Kathrin
geschrieben am 05 Feb 09 um 07:54Der Nebensatz übrigens war nur der Aufhänger… der auch dort nur eine so untergeordnete Rolle spielte, dass es weiter nicht erwähnenswert ist.
“… damit es auch wirklich funktioniert, was er vorhat… ” - das kenn ich nur zu gut.
Genau so ist es :-)
Manchmal lustigerweise auch von Seiten des Hundes.