Der Mensch an der Leine

So ich gebe es zu: nicht (nur?) Nele ist das Problem an der Leine. (Auch?) ich bin das Problem. Ich bin -und betrachte das durchaus mit Belustigung und einer gewissen Portion Selbstironie- kein leinengängiger Mensch (und werde das wohl auch nie werden). Die Leine nervt mich. Es hat lange gedauert, genau das herauszufinden oder besser zuzugeben. Hätte es mir übrigens ein selbsternannter Hundeprofi gesagt, hätte ich mich umgedreht, einmal laut gebrüllt und entsetzlich geflucht.  Daher weiß ich nun auch, dass ich mit einer Hundeschule wohl nicht sonderlich gut bedient bin.

Aber von vorne…

Ich habe gerne meine Hände frei. Für die Kamera, für eine Unterwegszigarette, für… was auch immer. Aber ich mag nicht ständig eine Leine in der Hand halten. Oft habe ich auch keine Tasche dabei, nicht mal eine Hosentasche. Das heißt dann Schlüssel in der Hand. Daher hasse ich die Leine und lasse Nele so oft es geht laufen. Oder ich hänge mir die Leine schräg über die Schulter, dann ist sie allerdings so kurz, dass Nele genervt ist. Was ich gar nicht ab kann, ist die kleine Schlinge (Leine auf Höchstlänge) in der Hand zu halten. Die Leine: eine Quälerei für mich, eine Einschränkung meiner Freiheit. Ich hab so den Eindruck, sie passt nicht zu mir. Nein - bitte nicht der Hinweis, ich müsse als Hundehalter doch mit sowas klarkommen und hätte das eher wissen müssen. Ich will nicht. Ich bin der Mensch. Trotz Hund. Und da ich vorher keinen Hund hatte, habe ich auch nicht täglich eine Leine dabei gehabt - vor Nele. Und daher wusste ich vor Nele nicht, was es bedeutet, ein leinengängiger Mensch zu sein oder zu werden.

Heute habe ich dann beschlossen, es müsse wohl endlich mal sein, dass wir länger an der Leine gehen lernen, mit der kleinen Schlinge und es passte prima (bis auf die Überwindung meines inneren Schweinehunds). Glücklicherweise, - denn ich gehe da definitiv lieber in eine Richtung als drei Schritte vor und drei zurück und Schneckentempo soll es dann auch nicht sein.

Ha, mögt ihr sagen, das sei doch wohl der Klassiker. Und insgesamt seien Hundebesitzer disziplinierte Menschen, die ihre eigene Freiheit nicht in Frage stellen und auch sonst alles tun und vor allem alles wollen, damit der Hund lehrbuchgerecht erzogen wird. Na gut - ich glaube sowieso nicht mehr, dass ich für die Lehrbuchfraktion der ideale Hundebesitzer bin, - dafür habe ich wohl einfach schon zu viel falsch gemacht (auch mal eine Geschichte wert). Aber was heißt das schon “der ideale Hundebesitzer” - ich liebe meinen Hund und das ist doch das allerwichtigste.

Die Erkenntnis, dass ich wahrscheinlich noch weniger Lust auf die Leine habe als mein Hund, die musste schon von mir kommen. Vielleicht hätte es eher kommen können, aber sicher nicht durch irgendein Erziehungsbuch und auch nicht durch eine Hundeschule - denn ich gehe dort ja nicht hin, um mich erziehen zu lassen. Da bin ich eigen und da bin ich auch ziemlich stur.  Und übrigens ist genau mein ganz persönliches Gefühl, in der Hundeschule würde mehr der Mensch als der Hund erzogen, wahrscheinlich das, was neben dieser scheinbar unabdingbaren Pflicht zum bedingungslosem Glauben an eine Hunderziehungsphilosophie (wo ich mir doch gern überall was rauspicke) meine Ablehnung so manifestiert. Und damit ist dann glücklich auch mein Hadern vorbei: ich werd das alles selbst lösen, - irgendwie, wenn ich durch Geduld und Willen das Problem erkannt habe.

So, nun habe ich ein minimales Problem, das es zu lösen gilt. Denn ich sehe nicht ein, dass ich ein anderer Mensch werden sollte, nur weil ich einen Hund habe. Mir soll es ja auch gut gehen. Ich kann nicht mein Leinenproblem zugunsten meines Hundes überwinden. Dann hab ich nämlich wahrscheinlich keine Lust mehr spazierenzugehen. Ich mag meine Hände frei. Und das trotz Hund. Aber der Hund, der soll natürlich auch glücklich sein und das ist er ohne Leine oder mit langer Leine.

Ich werde jetzt mal suchen, wo man sich Leinen anfertigen lassen kann. Ich brauche -so mein ganz persönliches Gefühl-  eine sechsfach verstellbare vier Meter Leine. Die kann ich mir umhängen, wenn ich möchte oder mit der großen Schlaufe halten, ohne dass der Hund damit zu nah ran müsste (wenn er das nicht möchte - das akzeptiere ich). Wichtig ist nur: sie muss kurz sein können, damit wir keinen Stress mit der Leinenverordnung bekommen. Im Moment hab ich noch ein Problem mit den “Normmaßen”… ich muss da einfach mal rumfragen. Und ich glaube, dann werden Hund und ich noch ein glückliches Leinenteam. Aber mit diesem starren zwei Meter, drei Haken Ding komme ich nicht klar. Ebenso wenig übrigens wie mit einer Schleppleine- denn die schleift entweder im Dreck oder man muss sich entsetzlich konzentrieren, nicht ständig Knoten zu fabrizieren. Immerhin bin ich jetzt einen Schritt weiter… und ich hoffe nun, dass ich findig genug bin, um uns beide glücklich zu machen.

 

3 Antworten zum Beitrag “Der Mensch an der Leine”

  1. Emils Frauchen

    geschrieben am 17 Jun 09 um 23:32

    Wenn ich die Hände frei haben will, aber Emil angeleint sein soll, dann benutze ich gerne einen Jogging Gurt. Der hat einen eingebauten Ruckdämpfer, wird um den Bauch geschnallt und die Leine vorne eingehakt. Man muss sich nur dran gewöhnen, dass man fest mit dem Hund verbunden ist, aber dann ist es sehr komfortabel. Es gibt natürlich einen Panikhaken für Notfälle, aber den hab ich bisher nicht gebraucht.
    LG Birgit

  2. nelli

    geschrieben am 18 Jun 09 um 06:45

    hi nele,

    emils frauchen schlägt genau das richtige vor: eine joggerleine! setzt natürlich voraus, dass du wirklich “schön” an der leine gehst und nicht ziehst!

    gute hundeschulen “arbeiten” deshalb nicht nur “mit” hund sondern “am” menschen, weil nicht nur wir hunde eure “sprache” lernen müssen, sondern ihr menschen auch unsere sprache (ausdrucksverhalten) lernen solltet. oft sendet ihr uns irreführende signale durch stimme und körperhaltung und wir können euch dann gar nicht richtig verstehen und dann natürlich auch nicht umsetzen, was ihr von uns erwartet.

    aber jeder muss für sich entscheiden wo? und wie? er mit seinem vierbeiner arbeitet, hauptsache die bindung wächst und dann klappts auch mit der leine!

    lg nelli

  3. Bijous Herrchen

    geschrieben am 18 Jun 09 um 06:47

    Ja, kann ich alles nachvollziehen, es geht mir auch so. Manchmal habe ich gar nichts dabei, weder Leine noch Halsband und eine Hundeschule habe ich auch noch nicht gefunden, weil mir die Trainer bisher nicht gefallen haben - MIR!

    Ich habe auch gerade einen Blogeintrag eingestellt zu diesem Thema, aber der Hintergrund ist ein anderer.
    Irgendwie ist es wie mit der Kindererziehung: wir haben für das was wir tun die volle Verantwortung - und dazu müssen wir stehen. Ob lange oder kurze Leine.
    Oder gar keine ;-)

    LG Bijous Herrchen Karlheinz

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