Bis wann ist ein Hund ein junger Hund?

So, allen Unkenrufen zum Trotz wollte ich natürlich auch gerne etwas über meinen wohlerzogenen Hund schreiben. Nur wie es der Teufel will, zieht heute der Vorführeffekt nicht richtig und ich müsste ich die Trickkiste greifen und eine nette Geschichte von gestern oder vorgestern erzählen. Tu ich aber nicht. Hier geht es authentisch zu.

Während es also die letzten Tage so gut geklappt hat, dass ich meinen Hund schon kaum wieder erkannt habe, meinte die Madame heute, dann doch lieber auf unserer Wiese weiterbuddeln zu müssen als mit nach Hause zu kommen. Da stand ich also bei eisigem Ostwind und fand das gar nicht sonderlich lustig.

Es war keine Menschenseele unterwegs (klar, mal wieder ein Wind, bei dem man nur den Hundebesitzer rausjagt) und so wäre ich am liebsten einfach gegangen. Aber das geht natürlich dann doch nicht. Also geduldig warten und rufen und drei Schritte Richtung Heimwärts und sich innerlich für das Kommando “Lauf nochmal Neli!” verfluchen. (ich finde die Vorstellung, dass ich gleich auch noch meine zuckersüße Nelestimme auflegen muss, um kräftig zu loben, dann doch manchmal etwas quälend…)

Während ich warte, erinnere ich mich daran, dass mir immer noch Leute sagen, Nele wäre ja noch ein junger Hund. Ich erinnere mich auch daran, dass man mir anfangs sagte, ich dürfe nicht zu viel verlangen. Wenn Hund buddelt, spielt oder andere Hunde trifft, dann hätte man bei so einem Welpen ja keine Chance.  Mit viel Coolness bin ich darauf hin da rangegangen. Habe mich gefreut, wenn Hund irgendwann kam, obwohl ich innerlich gekocht habe. Habe alles nach Handbuch gemacht, habe gelobt, Leckerli verteilt und und und… Nele, damals noch ein Wutzi, als ich schon dachte, nein, ich habe eine echte Wutz, aber sicherlich kein knuffiges Wutzi mehr.

Heute ist ja alles anders. Ich habe inzwischen eine Chance und die Trefferquote wird immer höher. Das tut gut und ist auch gut so.  Mir fallen dann nur leider auch wieder die Emails und “Mahnungen” der letzten Tage ein. Ich scheine etwas verpasst zu haben.

Während mir eine Zeit lang gut zugeredet wurde, ich solle doch da mal etwas cooler bleiben, man könne nicht verlangen, dass das alles sofort klappt und im Übrigen sei der Hund ja noch jung, wendet sich von heute auf morgen das Blatt und Nele ist kein junger Hund mehr. Schlimmer aber: kaum dem Junghunddasein entwachsen, soll Nele plötzlich alles ganz perfekt können, habe ich den Eindruck. Sachen, die früher erlaubt waren und die ich gelassen nehmen sollte, sind heute ein Unding und ich muss sie todernst nehmen. Wann war der Zeitpunkt, seit dem diese neue “von außen” gemachte Regelung gilt? Und wann ist ein Hund kein junger Hund mehr? Gibt es den “jungen Hund” überhaupt? Oder fängt nach dem Welpi-Wutzi Stadium gleich der reife Hund an?

Ich empfinde Nele auch als jungen Hund. Jeder andere Vierbeiner über zwei (nicht sonderlich viel eher) wirkt auf mich reifer, ausgetobter, verständnisvoller, wenn er da so neben seinem Herrchen oder Frauchen hertrappelt. Dieses Junghunddasein ist eher so die hündische Flegelphase - wenn ich das mal mit meinen Kindern vergleiche, ist es sinnvoller sich auf Gegenwind einzurichten als auf Verständnis für den total vernünftigen, total rationalen und total perfekten Erwachsenen.

Naja, unsereins gibt die Hoffnung nie auf…

Für alle, die gerne schon wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchten: ich habe damit kein wirkliches Problem. Auf unserer Hauswiese herrscht Anarchie. Das ist nicht immer, was ich mir vorstelle und auch nicht immer was glücklich macht (nochdazu bei extremem Windchill-Faktor), aber es bringt mich nicht um. Eigentlich habe ich Freude daran, Nele dabei zuzusehen, wie sie sich so verbuddelt und einfach Spaß hat.

Ach ja, an Haarspangerl hat der Hund immer noch keinen Spaß - da kommt eher ein etwas genervter Blick zurück.

Man mag einfach keine Haarspangerl

 

5 Antworten zum Beitrag “Bis wann ist ein Hund ein junger Hund?”

  1. nelli

    geschrieben am 31 Jan 09 um 23:38

    hi nele,

    also ich bin immer noch ein kindskopf! sagt mein mensch. sie glaubt, ich werde niemals erwachsen. hat die ne ahnung ! schön dass es euch wieder gibt! bis bald! nelli

  2. Anne-Kathrin

    geschrieben am 01 Feb 09 um 11:33

    Prima. Da ist die Nele ja in guter Gesellschaft… ;-)
    Schön, dass Ihr mitlest und mitschreibt!

  3. Hoshi

    geschrieben am 02 Feb 09 um 00:50

    Also wirklich erwachsen wird ein Briard nie :-)
    Obwohl ich schon 1 Jahr alt bin, stellt Frauchen mich noch immer mit Riesenbaby vor, ich wäre noch so kindlich in meinem Verhalten.
    Aber, wenn der Briard seinen 4. Geburtstag feiert, verändert er sich über Nacht schlagartig! Man kann die Uhr danach stellen :-)

    Wüffchen
    Hoshi

  4. Johannes

    geschrieben am 02 Feb 09 um 07:43

    Ist ja interessant, dieser Punkt soll etwa auch bei Dogo Argentinos am 4. Geburtstag kommen, bei Doggen heißt es erstaunlicher Weise, dass sie sich (schon) am 2. Geburtstag im Verhalten so stark ändern, scheint also nicht an der Größe zu liegen? Wissen wir ja bald bei Paris …
    herzlichst Johannes

  5. Emil

    geschrieben am 03 Feb 09 um 16:32

    Mein Frauchen meinte auch, dass ich so ab dem Alter von 4 Jahren erwachsen war. Was aber nicht heißen sollte, dass ich dann keinen Dickschädel mehr hatte oder auf einmal viel besser “funktionierte”. Aber viele Ängste und Unsicherheiten sind verschwunden und ich wurde abgeklärter, aber auch viel wachsamer. Rumkaspern kann ich aber heute immer noch genauso gut, wie zu der Zeit, als ich ein Welpe war.
    Frauchens Bea ist auch im hohem Alter von 12 Jahren ab und an noch dem Buddelrausch verfallen - Frauchen ist dann einfach weitergelaufen und Bea kam dann auch irgendwann, wenn sie Frauchen schon fast nicht mehr sehen konnte. Rufen war da auch zwecklos, obwohl Bea extrem brav und gehorsam war. Buddeln ist eben ein Rauschzustand. ;-)
    Wuff
    Emil

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